Einzige spezielle Aids-Intensiv-Station Österreichs vor dem Aus

23. Jänner 2004, 20:04
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Pittermanns Sprecherin: Eigene Aids-Intensivstation wäre nicht einzusehen

Wien - Die einzige spezielle Aids-Intensiv-Station Österreichs steht vor dem Aus: das berichtete Donnerstag Abend die "ZiB 2".

Die bevorstehende Schließung der Aids-Intensivstation im Wiener Otto-Wagner-Spital sorgt für Proteste sowie für Bemühungen, die Schließung abzuwehren. Der Obmann der Aids-Hilfe, Dennis Beck, betonte am Freitag, dass er auf ein bevorstehendes Gespräch mit Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (S) hoffe. Nach Ansicht der Wiener Grünen ist die Auflassung der Station "kontraproduktiv". Im Büro der Stadträtin wurde hingegen versichert, dass die Betreuung in vollem Umfang Aufrecht bleiben wird. Diese soll in Zukunft in der pulmologischen Intensiv-Station erfolgen.

Etwas Besonderes

Der Aids-Spezialist Norbert Vetter, der die spezielle Intensiv-Station leitet, plädierte allerdings dafür, diese Einrichtung beizubehalten. Verzweifelte Menschen würden dort eine Anlaufstelle finden, hier sollte man nicht sparen. Und: für diese Patienten sei das pflegerische Know-How der Beschäftigten auf dieser Station etwas Besonderes.

Ängste

Auch Dennis Beck von der Aids-Hilfe appellierte, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht werde. Er verwies auf die Ängste der Aids-Patienten, aber auch der anderen Patienten, die dann auf einer gemeinsamen Intensiv-Station behandelt würden. Beck hofft nun noch auf Gespräche mit der Stadt Wien.

Eigene Aids-Intensivstation wäre nicht einzusehen

"Es ist nicht einzusehen, warum es eine eigene Aids-Intensivstation geben soll, denn das ist auch eine Art von Stigmatisierung", so die Pittermann-Sprecherin. Eigentliches Motiv für die Maßnahme sei aber die Kostenersparnis.

Geringe Kosteneinsparungen

Dennis Beck von der Aids-Hilfe will dieses Argument nicht gelten lassen, wie er gegenüber der APA betonte: "Es handelt sich nur um 100.000 bis 200.000 Euro pro Jahr, die eingespart werden." Im medizinischen Bereich sei dies "so gut wie nichts".

"Wenn die Betten verlegt werden, gibt es jedenfalls keine Aids-Intensivstation mehr", betonte Beck. Und er zeigte sich auch überzeugt, dass es nicht mehr die selben Ärzte sein werden, die sich um die Patienten kümmern.

Know-how der speziellen Intensiv-Betreuung

Laut dem Leiter der Station, dem Aids-Spezialisten Norbert Vetter, ist die Abteilung in ein System eingebettet, das von der Ambulanz bis zur Intensiv-Betreuung reiche: "Dieses Know-how einer funktionierenden Station müsste ebenfalls transferiert werden, was sicher nicht einfach ist." Außerdem sei davon auszugehen, dass die Zahl der Betten bei einer Verlegung sehr wohl weniger wird, beklagte Vetter. Die drei Betten der Aids-Station sollen laut Vetter ersatzlos gestrichen werden.

Die Zukunft des Personals ist laut dem Stations-Leiter völlig offen. "Da ist noch nichts ausgegoren, es wird sicher noch Gespräche geben", meinte er gegenüber der APA.

Grüne: "Sparen am falschen Ort"

Die Grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz wird "am falschen Ort gespart". Im Falle einer Aids-Erkrankung sei es für die meist sehr verzweifelten Menschen wichtig, eine Anlaufstelle zu finden. "Eine Schließung dieser Station würde den Stress für betroffene und leider auch zukünftig zu erwartende Patienten mit Sicherheit erhöhen", meinte Pilz in einer Aussendung.

Die Aids-Intensivstation im Otto-Wagner-Spital auf der Baumgartner Höhe besteht seit 1996. Sie gilt als einzige Einrichtung dieser Art in Österreich. Die Schließung bzw. Verlegung soll Anfang März erfolgen.

FPÖ: Vorhaben der Schließung sei "ungeheuerlich"

Die geplante Schließung der Aids-Intensivstation im Wiener Otto-Wagner-Spital sorgt auch bei der Wiener FPÖ für Aufregung. So bezeichnete die freiheitliche Gesundheitssprecherin Karin Landauer das Vorhaben am Freitag als "ungeheuerlich". Dadurch werde auch der weltweit als Experte Leiter Norbert Vetter desavouiert.

Das Argument eines mit der Schließung der Station verbundenen Einsparungspotenzials von 100.000 bis 200.000 Euro ist laut Landauer eine "fadenscheinige Ausrede". Sollte SP-Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann das derzeitige medizinische Angebot für Aids-Kranke tatsächlich in gleichem Umfang erhalten wollen, dann habe das seinen Preis. Nur durch eine Umschichtung sei jedenfalls keine Kosten-Reduktion zu erwarten, so Landauer in einer Aussendung.

ÖVP: Kritik an Pittermann

"Zum wiederholten Male spart dieser SPÖ-Stadtregierung in Wien bei den Menschen, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen", kritisiert die Sozialsprecherin der ÖVP-Rathausfraktion, Ingrid Korosec. "Es kann doch nicht sein, dass schwerst kranke Menschen dem Rotstift zum Opfer fallen", meinte sie in einer Aussendung. Stadträtin Pittermann habe mit ihren Umgestaltungsvorschlägen schon wiederholt zu einer "zunehmenden Verunsicherung" in der Wiener Gesundheitsversorgung beigetragen, befand Korosec.(APA)

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