Große Rabbinerkonferenz in Wien

23. Jänner 2004, 19:42
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Mehr als 100 jüdische Geistliche erwartet - Blick auf Osteuropa

Wien - Mehr als hundert Rabbiner werden Anfang Februar zu einer Konferenz nach Wien kommen, bei der es um jüdische Bildung in den EU-Erweiterungsstaaten gehen wird. Die Konferenz wird von dem in Brüssel ansässigen Rabbinical Center of Europe gemeinsam mit der Ronald S. Lauder Foundation veranstaltet und vom Wiener Jewish Welcome Service unterstützt.

Erwartet - und vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl empfangen - werden u.a. die Oberrabbiner von Israel und Russland, Yona Metzger und Berl Lazar, sowie der hohe US-Rabbiner Yechezkel Besser.

Im derzeit gespannten Verhältnis mehrerer jüdischer Organisationen zur EU-Kommission, der sie Untätigkeit gegenüber dem wachsenden Antisemitismus vorwerfen, sucht das der Chabad-Bewegung nahe stehende Brüssler Rabbinical Center einen eigenen Weg: Es geht um religiöse Bildung und Kultur sowie um das Wissen darüber - unabhängig vom Nahostkonflikt.

Wurzeln in Österreich Ronald S. Lauder (59), von 1985-86 US-Botschafter in Österreich, fand hier sein Enga-gement für die Wiederbelebung des jüdischen Erbes auf dem Gebiet der ehemaligen Habsburgermonarchie, wo auch seine Familie (Kosmetikimperium Estée Lauder) ihre Wurzeln hat. Seither finanziert seine Stiftung jüdische Bildungseinrichtungen in 15 Staaten Zentral- und Osteuropas, darunter auch die Chabad Lauder Schule in Wien.

"Hier in Wien wurden die Kinder armer Flüchtlinge aus der Sowjetunion bis zur Universitätsreife gebracht", sagt Leon Zelman, der Leiter des Jewish Welcome Service. Wien könnte, mit dem wichtigen jüdischen Anteil an seiner Kulturgeschichte, weiterhin Brücken zum Osten schlagen, wo das jüdische Leben vielerorts zerstört worden ist.

Allerdings erwartet sich Zelman dazu von der Politik deutliche Signale, etwa solche, wie sie Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac nach einem Besuch von Rabbinern gegeben hat. Chirac bezeichnete den Antisemitismus als "unerträglich" und "allen Werten Frankreichs widersprechend". (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2004)

von Erhard Stackl
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