Finanzprobleme bei Sturm Graz

27. Jänner 2004, 14:06
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Steuernachforderung in Millionenhöhe - Präsident Kartnig "droht" mit Pleite

Wien/Graz - "Das geht die Öffentlichkeit gar nichts an." Sturms Präsident Hannes Kartnig zeigt in diesen Tagen eine neue Seite. Vor allem die rund 3,7 Millionen schwere Steuernachforderung des Finanzamtes Stadt Graz will er nicht bereden. Vizepräsident Adolf Klementschitsch, ein langjähriger Versicherungsmakler, soll dazu was sagen. Klementschitsch wiederum verweist auf Kartnig. Doppelmühle auf Steirisch.

Sollte der Verein die gesamte Summe nachzahlen müssen, sei er pleite, ließ Kartnig unlängst steirische Medien wissen. Das Grazer Magazin Klipp schrieb darüber und davon, dass Kartnig das Vorstandsmitglied Ernst Fuchs ausschließen ließ, das nicht zuletzt aus Sorge um die laut Vereinsgesetz bestehenden Haftungen bei unsachlicher Geschäftsführung Auskunft über die Bilanz 2003 verlangte. Fuchs ist Prokurist des Cargo Center Graz und saß seit 1988 im Vorstand von Sturm, war für den Nachwuchs zuständig. Kartnig beantragte seinen Ausschluss wegen vereinsschädigenden Verhaltens; der Vereinsvorstand (Klementschitsch, Karl Platzer, Robert Boldischar, Fritz Paulmichl, Gert Pölderl, Kurt Klein) beschloss brav.

Geheime Bilanz

Fuchs: "Die Steuernachforderung ist im Jahr 2003 bilanziert, und die Lizenzbestätigung erfolgte auch ohne Einschränkung. Aber die Frage ist, wie und wieweit der Verein trotz der Forderung über positives Eigenkapital verfügt." Seit 1999 habe Kartnig trotz regelmäßiger Aufforderung keine Bilanz mehr hergezeigt. Die aktuellen Schwierigkeiten dürften auf ein "prinzipiell sehr gutes Versicherungs- und Pensionsmodell" nach Klementschitschs Ideen zurückgehen. Denn die vom Spielergehalt aus Gründen der Steuerminderung und der Vorsorge abgezogenen Klubzahlungen wertete das Finanzamt offenbar doch als lohnsteuerpflichtig.

Absurdistan

Kartnig und Klementschitsch hätten im September 2002 behauptet, so Fuchs, einen positiven Bescheid des Finanzministeriums über die Versicherungen, für das Vizepräsident Klementschitsch im Übrigen laut Kartnig Provisionen einstreift, in Händen zu halten. Im Sommer 2003 war noch immer kein Bescheid da. Fuchs: "Beziehungsweise hat Vorstandskollege Klementschitsch zugegeben, dass ein negativer Bescheid des Finanzamtes da sei." Kartnig meint zur Steuernachforderung: "Andere haben mehr", es sei schon schwer genug, einen Klub in Österreich überhaupt zu finanzieren. Im Finanzministerium wird Kartnigs in der Steiermark kolportierte Bemerkung, er habe einen "Wink" aus dem Kabinett erhalten, nur einen Bruchteil zahlen zu müssen, mit Ungläubigkeit quittiert und als absurd zurückgewiesen.

Kartnig wendet ein, das Kabinett sage halt nichts, die Sache werde geregelt. Der Kabinettschef, auf den sich Kartnig beruft, heißt übrigens Matthias Winkler. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. Jänner 2004, Johann Skocek)

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