Kinder sollen spielen, aber bitte anderswo

23. Jänner 2004, 21:15
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Kinderlärm als Minderung der Wohnqualität - immer mehr Anrainer gehen gegen spielende Kinder gerichtlich vor

Wien - Spielen die Kinder im Innenhof, der noch dazu mit Gartenbänken ausgestattet ist, hängt mit schöner Regelmäßigkeit ein paar Tage später ein Rundschreiben der Hausverwaltung am schwarzen Brett: "Der Innenhof ist kein Kinderspielplatz". Andere Hausbewohner hätten sich über den Lärm beschwert. Kinderlärm wird offenbar immer häufiger als Minderung der Wohnqualität betrachtet. Und immer mehr Anrainer gehen gegen spielende Kinder gerichtlich vor.

Der jüngste Fall: In der Gemeinde Wals-Siezenheim bei Salzburg erwirkte ein Anrainer im Oktober vergangenen Jahres ein Ballspielverbot. Die Nachbarkinder durften daraufhin nicht mehr auf der Straße vor seinem Haus spielen. Die Einhaltung des Verbotes überwachte der genervte Nachbar mit Videokameras. "Man sollte die Hütte wegsprengen", stand in Drohbriefen, die er daraufhin bekam.

Im oberösterreichischen Hörsching wurde das Ballspielen sogar auf einem Kinderspielplatz gerichtlich verboten, weil sich ein Nachbar gestört fühlte. Bei der Gemeinde gingen zahlreiche Anfragen ein - ebenfalls von fliegenden Bällen "bedrohte" Bürger aus anderen Gemeinden erkundigten sich nach dem Namen des Richters.

Von dem "schrillen, unrhythmischen Geschrei" der Kinder eines benachbarten Privatkindergartens fühlte sich ein Ärzteehepaar in Salzburg belästigt. Vor Gericht wurde vereinbart, dass sich die Kleinen zwischen 12.00 und 15.30 nicht mehr draußen aufhalten dürfen. (fern, DER STANDARD Printausgabe 23.1.2004)

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