Bayern verbietet rechtsextreme Skinhead-Gruppe

23. Jänner 2004, 19:42
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"Fränkische Aktionsfront" soll etwa 40 Aktivisten haben - Unbekannte schändeten jüdischen Friedhof bei Koblenz

München/Koblenz - Die bayerische Regierung hat den rechtsextremen Skinhead-Verein "Fränkische Aktionsfront" verboten. Sie propagiere unverhohlen die Beseitigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sagte der bayrische Innenminister Günther Beckstein (CSU) am Donnerstag. Die in Nürnberg ansässige Gruppe habe etwa 40 Aktivisten und Sympathisanten. Bei Razzien sei umfangreiches Propagandamaterial gefunden worden. Gegen mehrere Mitglieder seien Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung oder anderer Delikte eingeleitet worden.

Die beharrliche und zunehmend aggressive Agitation sei nicht länger hinnehmbar gewesen, teilte Beckstein mit. Die Aktionsfront ist eine der bekanntesten rechtsextremen Gruppierungen Süddeutschlands. Nach Angaben des Innenministeriums unterhielt die Gruppe auch enge Kontakte zu dem Münchner Neonazi Martin Wiese und der Münchner Kameradschaft Süd. Diese hatte einen Sprengstoff-Anschlag auf das Grundstück des geplanten jüdischen Gemeindezentrums geplant.

Jüdischer Friedhof bei Koblenz geschändet

Unbekannte Täter haben den jüdischen Friedhof in Nickenich (Kreis Mayen-Koblenz) in Deutschland geschändet. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Koblenz mitteilten, warfen die Täter zehn Grabsteine um und schlugen dabei aus zwei Steinen Stücke heraus. Vier weitere Grabmäler seien mit den Wörter "Judas" und "Satan", einem Pentagramm, einem umgedrehten Kreuz sowie der Zahl 666 beschmiert worden.

Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde darüber hinaus ein Grab etwa einen halben Meter tief ausgehoben. "Die Merkmale der Schändung deuten auf Satanisten als Täter hin", sagte Polizeisprecher Christian Kuhlmann. Es werde allerdings in alle Richtungen ermittelt. Nach ersten Ermittlungen ereignete sich die Friedhofsschändung zwischen dem 11. und 17. Januar.

Die Staatsanwaltschaft setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 2.500 Euro aus. Bei einem Pentagramm, auch Drudenfuß genannt, handelt es sich um ein in einem Zug gezeichnetes Fünfeck. Es galt schon in der Antike als magisches Zeichen. Die Zahl 666 wird in der Offenbarung des Johannes einem teuflischen Ungeheuer zugeschrieben.

(APA/dpa/AP)

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