10.000 Pflegerinnen im Land

30. Jänner 2004, 15:46
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Über Vereine vermittelt

Sie werden von eigenen Agenturen vermittelt, sei es per Handynummer, mit Adressenangabe aus Bratislava, Ceské Budejovice oder gleich aus Wien. Sie verlangen fixe Spesen für Fahrgeld, Unfallversicherung und Tagesdiäten.

Turnusmäßige Anreise

Sie reisen turnusmäßig an: "In der Regel bleibt eine Pflegerin 14 Tage rund um die Uhr in Österreich. Dann wird sie von einer Kollegin abgelöst", schildert Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, persönliche Dienste (HGPD).

Insgesamt, so schätzt er, seien im Osten Österreichs derzeit "zwischen 5000 und 10.000 Pflegerinnen ohne Arbeitsbewilligung" im Einsatz. Großteils in Privathaushalten: dort, wo Angehörige einem alten Menschen die Übersiedlung in ein Pflegeheim ersparen wollen und eine Rund-um-die Uhr-Betreuung anstreben. Zudem arbeiten sie für Menschen mit Behinderung, die mit dem Pflegegeld legal nicht genug Hilfe zukaufen können, um ein selbstständiges Leben zu führen. "Das Sozialnetz des Staates ist völlig überlastet und in wirklich geeigneter Form nicht finanzierbar": So schildert einer der Anbieter – ein "karitativer Verein", wie er sich selber bezeichnet – die Situation. Eine "durchgehende Tag- und Nachtbetreuung" könne von den offiziellen Pflegeanbietern in den meisten Fällen nicht geboten werden.

Erst das Geld

Die Pflegerinnenvermittlung erfolgt dann in mehreren Schritten: Auf Anfrage sendet ein weiterer – in diesem Fall im slowakischen Poltar residierender – Verein die "Bedingungen zur Vermittlung von Adressen zu, aus denen auch die Höhe der Vermittlungsprovision hervorgeht".

Die Adressen der infrage kommenden Betreuerinnen werden dem Suchenden erst nach Unterzeichnung "einer kurzen schriftlichen Vereinbarung und der Überweisung Ihrer Honorarzahlung" zugesandt, ein Vorgehen, das sich ab EU-Erweiterung auch auf andere Bereiche – etwa Haushaltshilfen – ausdehnen könnte, wie die Exekutive voraussagt: Vereine werden zu Schlupflöchern, um den Arbeitsmarktsperren zu entkommen. (DER STANDARD Printausgabe, 23.1.2004, Irene Brickner)

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