Kopf des Tages: Crème de la Crème der Uni-Hierarchie

28. Jänner 2004, 18:49
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Georg Winckler, getorteter Rektor an der Universität Wien

Vielleicht war der Augenblick, als ihm die Torte wieder aus dem Gesicht fiel, einer jener Momente, in dem Georg Winckler am liebsten alles hingeschmissen hätte. Kameras surren, Fotoapparate klicken – das Ziel ist erreicht, der Chef aller heimischen Rektoren verspottet.

"Sicher fragt man sich manches Mal: Warum tue ich mir das an?", sinniert Winckler noch zwei Tage später. Aber schließlich sei er Ende 1998 mit dem Ziel zum Rektor der größten Universität des Landes gewählt worden, diese in Lehre und Forschung innerhalb der europäischen Konkurrenz bestmöglich zu positionieren. Ein Vorhaben, das mit Wincklers generellem Engagement auf europäischer Ebene einhergeht: Der Wiener Rektor ist Vizepräsident des Verbandes Europäischer Universitäten, dem höchsten EU- Uni-Vertretungsorgan.

Von klein auf habe er gelernt, sich auf fremde Umgebungen einzulassen, mobil zu sein. Geboren wurde Winckler am 27. September 1943 im Haus seiner Großeltern in Ostrava (Tschechien). Ein halbes Jahr später zog die Familie nach Schladming, später nach Wetzlar (Deutschland), wo er sein Abitur machte. Vor allem in der Ferienzeit treibt es den zweifachen Familienvater jedes Jahr nach Schladming. Seine Hobbys sind daher für die Region typisch: Skifahren und Bergsteigen.

Mobilität war auch immer Bestandteil seiner Uni-Laufbahn – sei es als Student an der Princeton University (USA) oder später als Gastprofessor in Fribourg oder an der Georgetown University in Washington. Monetäre Ökonomie, die europäische Währungsintegration sowie Makroökonomie sind die Schwerpunkte des promovierten Wirtschaftswissenschafters.

Mit seinen universitätspolitischen Ansichten hat er sich viele Feinde geschaffen. Die studierenden Tortenwerfer zählen wohl zu den weniger gewichtigen, obwohl sie ihm einen herausragenden Höhepunkt der Auseinandersetzungen verschafften. Winck^lers Zustimmung zur Einführung von Studiengebühren und zur Universitätsreform verärgerte viele. Auftritte wie die Annahme eines Apfelbäumchens durch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bei der Beschlussfassung des Universitätsgesetzes wurden ihm als Mangel an diplomatischem Gespür ausgelegt.

"Ich versuche in der Sache überzeugend zu sein und möglichst offen", sieht sich Winckler selbst und betont, "nicht ungern diplomatisch und freundlich" zu sein. Zumindest bei den Studierenden seiner Uni hat er damit und mit den Reorganisationsplänen bis auf weiteres ausgespielt.

Eine Sorge kann er aber seinen Feinden vorerst nehmen: Ein Ministeramt strebe er nicht an: "Ich glaube nicht, dass ich das Zeug zum Politiker habe. Ich denke viel zu langfristig." (Peter Mayr/DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2004)

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