Gerechtigkeit für Mailath-Pokorny!

22. Jänner 2004, 18:34
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Antwort per Leserbrief auf den Vorwurf der "Verkleisterung"

Betrifft: "Die totale Verkleisterung" von Claus Philipp (DER STANDARD, 16. 1. 2004)

In o. g. Kommentar sieht Claus Philipp in der Wiener Kulturpolitik keine Alternative zu jener des Bundes und spricht von Verkleisterung fehlender Strukturpolitik. Dabei hat ausgerechnet DER STANDARD sehr ausführlich über die Strukturpolitik der Wiener Kultur berichtet - ein Blick ins Archiv hätte Folgendes erbracht:

Im Unterschied zum Bund hat Wien in den letzten Jahren sein Kulturbudget kontinuierlich erhöht, konnte damit willkürliche Bundeskürzungen in der Höhe von ca. 15 Millionen Euro ausgleichen und hat damit viele Kulturinitiativen vor dem Zusperren gerettet. 2003 wurden die Weichen gestellt für die größte Theaterreform der Wiener Geschichte, durch die Umwandlung des Theaters an der Wien und den Beginn der Planung für das Ronacher - Projekte, die jahrelang diskutiert wurden.

Das Stadt- und Landesarchiv wurde neu gestaltet, derzeit wird die Bibliothek umfassend erweitert, das Museum der Stadt Wien wurde ausgegliedert, gänzlich neu strukturiert und neu besetzt. Weitere Projekte, bisher nur in Diskussionsstadium, werden derzeit realisiert: Fonds für Kunst im öffentlichen Raum, Bau des Kindertheaterhauses, Kunstplatz Karlsplatz (project space, unterirdische Erweiterung Musikverein, Neugestaltung Passagen).

Der Wiener Gemeinderat hat erstmals überhaupt ein Theaterleitbild verfasst (mit den Stimmen aller Parteien!) und arbeitet derzeit unter meiner Leitung an der Umsetzung einer umfassenden Reform der Wiener Theaterförderung. Die Stadt stellt sich gerade auch im Kulturbereich ihrer Vergangenheit; auf mein Bestreben wurde die Wehrmachtsausstellung durch ein Vermittlungsprogramm offensiv unterstützt, bis 2004 soll die Kunstrestitution abgeschlossen sein, erstmals überhaupt wurden unrechtmäßig in Besitz der Stadt befindliche Kunstgegenstände nicht nur restituiert, sondern auch "wieder" erworben (Sammlung Strauß-Meyszner).

Durch hohen Mitteleinsatz wurde dem innerstädtischen Kinosterben entgegengewirkt; konkret waren das die Kinoförderung für die innerstädtischen Qualitätskinos, die Erhaltung der beiden Traditionskinos Metro und Gartenbau sowie die massive Unterstützung für das Filmmuseum. Erstmals wurden auch Wissenschaftstage in Wien durchgeführt und zahlreiche neue Wissenschaftsfonds als Förderinstrumente eingerichtet.

Bei allem Verständnis für Kritik hätte die Berücksichtigung zumindest einiger dieser Fakten zu einem differenzierteren Urteil führen müssen.

Dr. Andreas Mailath-Pokorny amtsführender Stadtrat für Kultur u. Wissenschaft in Wien (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2004)

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