Khatami: "Dialog der Gelehrten"

26. Jänner 2004, 13:45
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Irans Präsident sprach über die Beziehungen zu den USA und bestritt vehement, dass es je nukleare Lieferungen aus Nordkorea gegeben habe

Davos - Bevor es offizielle Beziehungen zu den Vereinigten Staaten geben könne, müsse es zu einem "Dialog der Gelehrten und der Kulturen überhaupt kommen": Der iranische Präsident Mohammed Khatami verknüpfte diese Position in einer Rede auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos mit seinen Ansichten zum Thema Demokratie und Islam.

Es gehe nämlich nicht um die Frage "Demokratie ja oder nein". Sie dürfe nur nicht aufgezwungen werden. Auch die islamischen Völker brauchten Demokratie, sagte Khatami. Die Wege dahin müssten sie aber selbst finden, wobei er für den Iran Verfassungsänderungen nicht ausschloss.

Vor Journalisten wehrte sich Khatami vehement gegen den Vorwurf, der Iran habe immer schon auf die Herstellung und den Besitz von Massenvernichtungswaffen hingearbeitet. Immer sei es seinem Land nur um die zivilen Nutzungen der Atomenergie gegangen.

Deshalb verlange er sogar ausländische Hilfe, weil der Atomsperrvertrag in einer Klausel vorsehe, dass der Austausch von Technologie für friedliche Nutzung gestattet sei. Deshalb habe es auch zu keiner Zeit nordkoreanische Lieferungen von nuklearem Material an den Iran gegeben. Khatami sagte, der Iran werde weiter mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien zusammenarbeiten. Der Iran hat der IAEO nach starkem internationalem Druck im Oktober vergangenen Jahres zugesichert, sein Atomprogramm zu stoppen und die Kontrollen der Atomanlagen zuzulassen. Die Rede und alle Äußerungen Khatamis passten gut in das Bild, das am Weltwirtschaftsforum über die Frage der internationalen Sicherheit entworfen wurde.

Sowohl der iranische Präsident als auch der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton oder der ehemalige Weltbank-Chef James Wolfensohn konnten sich keine stabile politische und wirtschaftliche Entwicklung vorstellen, wenn man den Terror und andere Konflikte nur mit Waffengewalt eindämmen möchte. Neben der Aufhebung von eklatanten Benachteiligungen wurde immer wieder verlangt, dass der Westen endlich seine Überheblichkeit aufgebe und für mehr Gleichheit sorge. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2004)

Von
Gerfried Sperl aus Davos
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    Khatami bei seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsgipfel: Meinem Land ist es immer nur um die zivilen Nutzungen der Atomenergie gegangen.

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