Überwachter Blutzuckerspiegel

25. Jänner 2004, 15:00
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Im Projekt CLINICIP wird ein intelligentes System für eine verbesserte Überwachung und Behandlung auf Intensivstationen entwickelt

Graz - Geht es nach dem Grazer Diabetologen Thomas Pieber, dann könnte es schon bald zu einer "Revolution in der Intensivstation" kommen: Die kontinuierliche Überwachung des Blutzuckerspiegels und entsprechende Infusionen im Bedarfsfall könnte die Komplikationsrate im Akutbereich der Krankenhäuser nahezu halbieren und vier von zehn Todesfällen verhindern, so Pieber. Der Grazer Wissenschafter leitet das millionenschwere EU-Forschungsprojekt "CLINICIP", das ein entsprechendes Gerät entwickelt.

Auch bei gesunden Personen kann es bei spontanen lebensbedrohlichen Erkrankungen wie zum Beispiel einem schweren Unfallschock oder -trauma oder nach einem Herz- oder Schlaganfall zu erhöhten Blutzuckerwerten kommen, schilderte Pieber bei einem Pressegespräch in Graz. Zur Normalisierung wird Insulin eingesetzt, wird die Überzuckerung jedoch nicht früh genug erkannt, kann es zu Komplikationen kommen.

Kooperationen

"Die bisherige Betreuung ist personal-, zeit- und kostenintensiv, daher bemühen wir uns um ein automatisches Überwachungs- und Behandlungsgerät,", sagte Pieber vom Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement des Joanneum Research in Graz. Zu seinen Kooperationspartnern zählen neben der Medizinischen und Technischen Uni in Graz u.a. die Katholische Universität in belgischen Leuven, die Universität Cambridge und Industriepartner wie Roche Diagnostics.

"Geräte zur automatischen Regelung des Blutzuckerspiegels bestehen aus drei wesentlichen Komponenten", erklärte Pieber: einer Einheit mit entsprechendem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung, einer Insulininfusionspumpe und einem Algorithmus als Berechnungsbrücke zwischen Glukosekonzentration und entsprechender Insulinabgabe. Wenn das System selbstständig funktioniere, spreche man von einem "Closed Loop System".

Folgeprojekt

CLINICIP steht für "Closed Loop Insulin Infusion in Critically Ill Patients" und ist ein Folgeprojekt aus Piebers bisherigen Bemühungen zur Entwicklung einer "künstlischen Bauchspeicheldrüse". Bisher noch unüberwindbare Hürde ist hier die Stabilität des Biosensors, der seine Leistungsfähigkeit lange genug aufrecht erhalten soll. Bei rund 24 Stunden hält die Technik bisher.

Im laufenden Projekt will man daher vor allem Bedacht auf die Sensoren-Entwicklung legen. "Wir sollten es auf bis zu drei Tage Funktion bringen", so Ingo Klimant vom Institut für Analytische Chemie der TU Graz. Dazu verfolgt man parallel vier verschiedene schon vorhandene Ansätze.

Aufbau von Infrastruktur

Das Projekt wurde im 6. EU-Rahmenprogramm im "e-Health"-Sektor eingereicht und läuft die kommenden vier Jahre. Partner aus sieben Staaten sind beteiligt. Um die Entwicklungen optimal umzusetzen zu können, wird von Joanneum Research auch eine telemedizinische Infrastruktur aufgebaut. Diese inkludiert einen gemeinsamen Wissenspool, in welchem die im Projekt beteiligten medizinischen Einrichtungen ihre neuen Erkenntnisse speichern und austauschen können. (APA)

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