Problemquelle Mensch

28. Jänner 2004, 14:19
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US-National Academy of Sciences warnt vor unkontrollierter Ausbreitung genmodifizierter Organismen

Washington - Vor einer ungewollten und unkontrollierbaren Ausbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren in der Natur haben amerikanische Wissenschafter gewarnt. Die US-National Academy of Sciences weist in einer in Washington präsentierten Studie darauf hin, dass die bisherigen Methoden der Eingrenzung nicht fehlerfrei seien.

Die Entwicklung einer effektiven Abschottung der Gen-Organismen von natürlichen Pflanzen und Tieren müsse weiter vorangetrieben werden. Bisher sei keine einzige 100-prozentige Methode bekannt, um eine Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen in der Natur völlig zu verhindern.

Beispiel Gen-Lachs

Als Beispiel nannten die Wissenschafter den Gen-Lachs, der doppelt so schnell wächst wie seine natürlichen Artgenossen und daher die natürlichen Lachse verdrängen könnte. Gen-Lachs, von Kritikern in Anlehnung an Frankenstein auch "Franken-Lachs" genannt, könnte das erste gentechnisch veränderte Tier sein das in den USA als Nahrungsmittel zugelassen wird.

Die Gesellschaft Aqua Bounty, die den Gen-Lachs entwickelt, will zwar nur sterilisierte weibliche Fische an Fischzuchtfarmen verkaufen. Doch die Fisch-Sterilisierung sei nicht immer wirksam und könne daher eine ungewünschte Ausbreitung der Gen-Lachse und Verdrängung der natürlichen Lachse nicht verhindern, mahnen Biologen.

Problemquelle Mensch

Als Problemquelle wurde auch "menschliches Versagen" genannt, das in bisherigen Fällen ungewünschter Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen oft eine Rolle spielte. So wurde im Jahr 2002 nur knapp verhindert, dass gentechnisch veränderter Mais, der einen Impfstoff für Schweine produzierte, die Felder von Iowa und Nebraska verseuchte. Mit der zunehmenden Produktion von immer exotischeren Organismen steige das Risiko, dass diese durch Fehler des Personals in die Nahrungskette gelangten und die Nahrungsmittelproduktion verseuchten, warnten die Wissenschafter.

Die Biotech-Industrie weist derartige Mahnungen zurück. L. Val Giddings, Vizepräsident der Biotechnology Industry Organization erklärte laut einem Bericht der "Washington Post", gentechnisch veränderte Organismen seien über Jahrzehnte in Laboratorien genützt worden unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen. Gentechnisch veränderte Pflanzen würden in großem Ausmaß seit Mitte der Neunziger angebaut. "Wir haben hunderte Millionen Tonnen davon weltweit angebaut, die von Millionen Menschen gegessen werden und nicht einmal Kopfweh oder ein Niesen verursacht haben", sagte der Vertreter der Gentech-Industrie. (APA)

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