Zur Lage der anderen Nationen

24. Jänner 2004, 14:00
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Schweizer diskutieren, Deutsche üben sich in Geduld, Amerikaner genießen Freiheiten

Kitzbühel - "Vielleicht", sagt Karl Frehsner, "hab' ich ja länger das Sagen, als viele es glauben." Freilich bedingt dieses "Vielleicht" gleichzeitig ein "Vielleichtauchnicht". Es rauscht im Schweizer Blätterwald, das Rauschen liegt am Ab der Schweizer Skifahrer, das mit dem Auf der Österreicher einher gegangen ist und geht. Frehsner, der Cheftrainer, soll abgelöst werden, als Nachfolger sind zwei Tiroler im Gespräch, Christian Leitner und Robert Trenkwalder.

Schweiz: Trenkwalder versus Frehsner

Christian ist der Sohn von Hias Leitner, der 1960 Olympia-Zweiter war, er stammt aus Kitzbühel und ist seit sechs Saisonen Chefcoach der finnischen Herren. Das ist schon eine Visitenkarte, wenn man die Erfolge eines Kalle Palander betrachtet. Trenkwalder wiederum dürfte im ÖSV als Betreuer der Abfahrts-Spezialisten nicht überglücklich sein, er hat im Verband keinen leichten Stand. Mit Trenkwalders Verpflichtung würde sich die Schweiz gleichzeitig eine Menge ÖSV-Knowhow sichern. Frehsner indes will bis 2006 im Amt bleiben und langfristig aufbauen. Vielleicht erfüllt sich der Wunsch. Vielleicht auch nicht.

Deutschland: Niemand in Sicht

Die deutschen Herren, die seit Jahren im Schatten der Damen stehen, hoffen unter dem ehemaligen ÖSV-Cheftrainer Werner Margreiter auf Besserung. Der Tiroler soll Talente zur Spitze führen, freilich fehlen Vorbilder. Der junge Slalomnist Felix Neureuther kann sich immerhin an seinem Vater Christian ein Beispiel nehmen, in den Speed-Disziplinen kämpft Florian Eckert verbissen um ein Comeback. Eckert war 2001 in St. Anton WM-Dritter in der Abfahrt, verletzte sich wenig später schwer, gestern landete er auf dem 45. Rang.

USA: (Beneidenswerte) Freiheiten

Die US-Amerikaner, allen voran Bode Miller und Daron Rahlves, leben damit, dass "Skifahren recht unbedeutend ist bei uns daheim", wie Rahlves sagt. Allerdings genießen Miller und Rahlves während der Rennen in Europa gewisse Freiheiten, von denen österreichische Skifahrer nur träumen können. Nach seinem Vorjahrssieg tanzte Rahlves halbnackt durch die Kitzbüheler Nacht. Und selbst über das Wetter sagt er Sätze wie: "Wir sollten ein paar Freeskier einladen, die trinken immer brav ihre Gläser aus und vertreiben so die Wolken." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. Jänner 2004, fri)

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