Grüne Heimkehr als neuer Aufbruch

26. Jänner 2004, 20:05
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Glawischnig im Kärntner Wahlkampf

Villach – Dass die Grünen ihren am Freitag beginnenden Bundeskongress diesmal nach Kärnten verlegt haben, ist kein Zufall. Denn besonders im südlichsten Bundesland wollen es die Grünen bei der Landtagswahl am siebten März genau wissen. Obwohl die Grundmandatshürde landesweit bei zehn Prozent liegt, sei der erstmalige Einzug in den Landtag mit einem Grundmandat im größten Bezirk, Klagenfurt und Umgebung, zu schaffen.

Das ehrgeizige Ziel soll durch den verstärkten Einsatz grüner Spitzenmandatare erreicht werden. So ist die stellvertretende Parteichefin Eva Glawischnig ab sofort rund um die Uhr im Wahlkampfeinsatz. Die gebürtige Kärntnerin steht als "Solidaritätskandidatin" auf Platz sechs der Klagenfurter Grundmandatsliste und auf 22 der Landesliste. Spitzenkandidat bleibt der Kabarettist, Musiker und Künstler Rolf Holub, betont Glawischnig im Gespräch mit dem STANDARD.

Grundsätzlich will sie die Auseinandersetzung mit allen drei im Landtag vertretenen Parteien suchen, so Glawischnig. "Klassische Oppositions- und Kontrollpolitik" lautet das Angebot, das die Kärntner für die Grünen begeistern soll: "Wenn man sich das Budget anschaut und die Sonderförderung, die sich die Parteien noch für den Wahlkampf genehmigt haben, oder die Beraterverträge – eine üble Angelegenheit, die Finanzminister Grasser offenbar von Kärnten in den Bund übernommen hat – dann sieht man, dass ein ungeheurer Transparenzbedarf besteht. Da braucht es eine Partei, die nicht in der Regierung ist, sondern kontrolliert, Missstände aufzeigt und abstellt." Vor allem Transparenz täte Kärnten gut, meint Glawischnig: "Es ist ja nicht einmal möglich, Landtagsbeschlüsse zu bekommen, ohne drei Monate zu warten. Die Leute heraußen sollen endlich erfahren, was sich drinnen in der Regierung abspielt."

An klassisch grünen Themen wollen die Grünen vor allem die Verkehrs- und Transitproblematik einbringen. Gerade hier habe Kärnten ein "riesiges Problem", sagt Glawischnig: "Aus Slowenien und Ungarn kommen in den nächsten zehn Jahren Verkehrs-Wachstumsraten von 200 bis 300 Prozent auf Kärnten zu. Dazu die Tauernachse – da läuft Kärnten Gefahr, vom Tourismus- zum Transitland zu werden. Beim öffentlichen Verkehr ist Kärnten Schlusslicht in Österreich – also allein da gibt es genug zu tun."

Außerdem will Glawischnig die weitere "brutale Erschließung schönster Gebiete" stoppen, wie sie auch VP-Landerat Georg Wurmitzer betreibe: "Da wird offen darüber geredet, im Nationalpark Hohe Tauern Seilbahnen zu bauen. Das kann es wohl nicht sein." (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.1.2004)

Von Samo Kobenter
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