Haider glaubt an "großes Interesse" der ÖVP an seiner Wiederwahl

23. Jänner 2004, 14:40
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SPÖ sieht Bestätigung für schwarz-blauen Pakt

Klagenfurt/Wien - Zum Unterschied zu führenden Repräsentanten der Kärntner Volkspartei geht Jörg Haider (F) offenbar davon aus, nach der Landtagswahl am 7. März von der ÖVP wieder zum Landeshauptmann gewählt zu werden. "Insgesamt glaube ich, dass die ÖVP ein großes Interesse daran hat, dass ich weiter Landeshauptmann bin", wird Haider in einem "Format"-Interview zitiert.

"Warten wir ab. Vor allem die Kärntner ÖVP hat sich mit ihrer Ankündigung (Die Wahl Haiders zum Landeshauptmann zum Unterschied zu 1999 nicht mehr zu ermöglichen - Anm.) ein Ei gelegt", präzisiert Haider. "In der Partei gibt es eine Verunsicherung, weil die Funktionäre und die Wähler nicht wissen, was nach der Wahl passiert. Eines wissen sie aber: Sie wollen keinen roten Landeshauptmann." Außerdem sei die ÖVP in dieser Frage gespalten. Haider: "Die Bundespartei hat einen Weg der Zusammenarbeit mit uns gefunden, die ÖVP in Kärnten hat das noch nicht kapiert."

Was den Wahlausgang betrifft, gibt sich Haider zuversichtlich: "Tatsächlich haben wir durch die Nationalratswahl einen Schlag bekommen. Doch seit dem Sommer haben wir massiv aufgeholt. Mittlerweile liegen wir so dran, dass wir sagen können - im Finale sind wir vorne." Und wenn es am 7. März doch eine Niederlage geben sollte? Haider: "Darüber denke ich nicht nach, weil ich weiter Landeshauptmann bleibe. Sogar wenn ich die Wahl verliere, dann bleibe ich es - bis sich die anderen Parteien auf einen Nachfolger geeinigt haben. Auf die Frage, ob er danach als Minister nach Wien gehen oder bei den Europawahlen kandidieren werde oder sich gar aus der Politik zurückziehen werde, meinte er: "Zurückziehen werde ich mich aber sicher nicht. Dafür bin ich noch viel zu vital (Haider vollendet am Montag das 54. Lebensjahr).

"Entsprechend freundlich" äußert sich Haider auch zur ÖVP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner: "Ich habe ihr gegenüber eine respektvolle Sympathie - und nicht nur, weil sie auch schon einmal in Libyen war. Sie ist lernfähig, hat erkannt, dass das Geschrei rund um meine Irak- und Libyen-Politik nicht berechtigt war." Als Voraussetzung für eine FPÖ-Unterstützung der ÖVP-Kandidatin nennt Haider zwei Punkte: Ein Bekenntnis zu einem Europa, das nicht in Richtung Gesamtstaat geht sowie den Mut, sich von der Neutralität zu verabschieden (mit Volksabstimmung). Dass Ferrero-Waldner so zusagen ein "Faustpfand" sei, verneint Haider jedoch.

Zur Frage einer eigenen FPÖ-Kandidatur bei der Präsidentenwahl meinte der Landeshauptmann: "Davor müssen wir noch einige Dinge klären. Teilt einer der beiden Kandidaten unsere Position in der Sicherheitspolitik, der Europapolitik und der außereuropäischen Außenpolitik? Vertrauen wir einem der beiden Kandidaten, dass er die Dinge so angeht, wie wir uns das vorstellen?"

Ablehnend äußert sich Haider zu der von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ins Spiel gebrachten EU-Steuer: " Ohne uns geht in dieser Frage überhaupt nichts und wir weisen das strikt zurück".

Für SPÖ "Bestätigung"

Für die SPÖ-Kärnten ist das "Format"-Interview mit Landeshauptmann Jörg Haider (F) die "Bestätigung für einen schwarz-blauen Pakt". Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) habe Interesse, dass Haider in Kärnten bleibt, dazu Klubobmann Adam Unterrieder. Diese Absprache mache mit einem Schlag alle Beteuerungen der ÖVP, sie werde Haider nicht zum Landeshauptmann küren, "für null und nichtig". Daher sei "jede Stimme für FPÖ und ÖVP eine verlorene Stimme ist, da die beiden mit ihrer Geheimabsprache den Wählerwillen schon im Voraus negiert haben".

Schüssel habe die ständigen Einmischungen Haiders in Wien satt. "Deswegen stellt man Haider mit einem Landeshauptmannsessel in Kärnten ruhig", erklärte Unterrieder. "Das erinnert stark an Postenschacher. Aber viel schlimmer ist, dass mit der Zukunft Kärntens und somit mit der Zukunft von 560.000 Kärntnerinnen und Kärntnern gespielt wird." (APA)

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