Lebensgefährliche Virusmutation

27. Jänner 2004, 17:45
4 Postings

Virus könnte sich mit dem Erreger der normalen Grippe verbinden und für Millionen Menschen lebensbedrohend werden

Das Virus der in Vietnam und inzwischen auch in Thailand ausgebrochenen Vogelgrippe könnte sich mit dem Erreger der normalen Grippe verbinden und für Millionen Menschen lebensbedrohend werden, fürchten Fachleute der Weltgesundheitsorganisation WHO.

***

Hanoi/Bangkok - Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor einer gefährlichen Mutation des Vogelgrippevirus in Asien gewarnt. Es gebe "steigende Chancen" für das H5N1 genannte Virus, dass es sich in eine "weitaus tödlichere" Form als bisher wandeln könne, sagte WHO-Sprecher Bob Dietz am Donnerstag in Hanoi.

Es könnten jedoch keine Voraussagen getroffen werden, wann die betreffende Virusform auf den Menschen überspringe, auch wenn dies von Experten bereits erwartet werde. In Vietnam starben bisher mindestens fünf Menschen an der Virusvariante H5N1, 17 weitere werden unter Ansteckungsverdacht in Krankenhäusern behandelt.

In Thailand wurde nach Angaben eines Senators inzwischen der erste Fall eines an der Vogelgrippe erkrankten Menschen bestätigt. In der Provinz Suphanburi sei ein sieben Jahre alter Bub an dem Virus erkrankt, sagte Nirun Phitakwatchara, der dem Sozial- und Gesundheitsausschuss des Parlaments vorsitzt. Er warf der Regierung von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra vor, den Ausbruch der Vogelgrippe in Thailand verschleiern zu wollen.

Massenschlachtung

Das thailändische Agrarministerium ordnete unterdessen die Notschlachtung von rund einer Million Hühner an. Die Behörden vermuten die Vogelgrippe hinter einer noch nicht identifizierten Krankheit, die auf mehreren Geflügelfarmen ausgebrochen ist. Insgesamt werden Hühner auf rund 240 Farmen der zentralen Provinz Suphanburi getötet. Die Hühner werden in Plastiksäcke gesteckt. Diese werden abgedichtet, in eine Grube geworfen und zugedeckt.

Sollte sich das auch als Geflügelpest bekannte Virus mit dem Erreger der gewöhnlichen Grippe verbinden, befürchtet die WHO verheerende Auswirkungen. Die Weltgesundheitsorganisation geht auf der Grundlage von Geschichtsmustern davon aus, dass große Grippeepidemien im Durchschnitt drei- bis viermal in jedem Jahrhundert auftreten.

Bei einer schlimmen Grippewelle in den Jahren 1918 und 1919 starben weltweit an die 40 bis 50 Millionen Menschen. Weitere große Epidemien folgten von 1957 bis 1958 und von 1968 bis 1969. Fachleute sind sich darüber einig, dass eine erneute derartige Grippewelle unausweichlich ist und mögli- cherweise unmittelbar bevorsteht. (AFP, DER STANDARD Printausgabe 23.1.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bevölkerung in Thailand wurde aufgefordert Hühnerfleisch und Eier nur gut durchgebraten zu essen

Share if you care.