"Psychosoziale Pflichtberatung" für Schwangere

22. Jänner 2004, 13:49
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Moraltheologe Rosenberger fordert auch Statistik für Ursachenforschung punkto Abtreibung

Linz - Im Zusammenhang mit der so genannten "Fristenlösung" übt jetzt der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität scharfe Kritik daran, dass in Österreich bezüglich der Abtreibungen keine ausreichende "Ursachenforschung" stattfinde. Unbedingt notwendig wären entsprechende Statistiken, warum Frauen sich zur Abtreibung entschließen. "Es ist ein wirklicher Skandal, dass in Österreich bis heute solche Erhebungen nicht durchgeführt werden", sagte Rosenberger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des "OÖ. Journalistenforums" in Linz.

Hinterherhinken

Außer den "Entlassungsstatistiken" der Spitäler gebe es in Österreich keine weiteren Anhaltspunkte über Zahl und Gründe für Abtreibungen. Rosenberger: "Damit bleibt Österreich in dieser Frage hinter dem Standard fast aller westlichen Industrieländer zurück. Statistik Austria sammelt Daten über jeden Kilometer Straße und jeden Euro Wirtschaftsleistung, aber nicht über das Leben der Wehrlosesten der Gesellschaft", formulierte der Moraltheologe.

Ab in die psychosoziale Pflichtberatung

Weiters meinte Rosenberger, Schwangere, die an eine Abtreibung denken, sollten "zum Aufsuchen einer psychosozialen Beratung ermutigt oder gar verpflichtet werden". Eine solche "psychosoziale Pflichtberatung" für Schwangere wäre eine "substanzielle Verbesserung" der Situation in Österreich. Die Pflichtberatung müsse zwar die "Letztverantwortung und Letztentscheidung der Frau" respektieren, sie sei aber "zugleich eine Beratung zu Gunsten des Lebens". Sie solle der Frau "die Tragweite der Entscheidung vor Augen führen und ihr zugleich alle denkbaren finanziellen und sozialen Hilfsmöglichkeiten für die Aufnahme des Kindes aufzeigen", erläuterte Rosenberger.

Für die Schwangeren würde eine solche Beratung die oft einzige Möglichkeit darstellen, "ohne äußeren Druck wirklich frei über ihre Probleme und Nöte nachzudenken". Im Familien- und Freundeskreis sei ja in der Regel "schon eine Vorentscheidung gefallen, eine wirklich offene Gesprächsatmosphäre besteht dort nicht", so der Moraltheologe, "hier läge die einzigartige Chance der psychosozialen Pflichtberatung". (APA)

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