Sundt sieht "Meilenstein"

22. Jänner 2004, 18:56
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TA-Boss: Neue TA-Aktionäre bringen "Stabilität" - "Zusätzliche Fantasie" in TA-Aktie

Wien - Telekom Austria-Generaldirektor Heinz Sundt hat den Ausstieg der Telecom Italia (TI) aus der Telekom Austria (TA) als "Meilenstein" für die TA-Gruppe bezeichnet. Er habe die Transaktion ebenso wie den weiteren Verlauf des Aktienkurses "mit großer Freude verfolgt", sagte Sundt am Donnerstag. Die TI hatte gestern ihre restlichen 14,8 Prozent bzw. knapp 74 Mio. TA-Aktien für fast 780 Mio. Euro bzw. 10,55 Euro pro Aktie an institutionelle Anleger veräußert, das Offert war in Kürze mehrfach überzeichnet worden. Die TA-Aktie erreichte im heutigen Tagesverlauf mit 11,29 Euro ein neues Allzeithoch.

Die Platzierung habe "fast alle Vorstellungen gesprengt" und "mehr als positiv überrascht", betonte Sundt. Es sei gelungen, exzellente Investoren für die TA zu finden, auch über die breite Streuung der Aktien sei man "überaus froh". Die Art der neuen TA-Aktionäre, die wenig oder gar nicht dem spekulativen Bereich zuzurechnen seien, würden "Stabilität" in die TA-Gruppe bringen und für eine solide Aufstellung sorgen. Dass der TA-Aktienkurs im Anschluss an die Transaktion nicht - wie sonst üblich - verloren, sondern noch dazugewonnen habe, zeige, dass die Transaktion offensichtlich "zusätzliche Fantasie" in dieses Papier gebracht habe.

Mehrheit im Streubesitz

Der Ausstieg der TI, die offensichtlich aus der TA aussteigen wollte, sei ebenso positiv zu beurteilen wie die Tatsache, dass nun die Mehrheit der TA - nämlich 52,8 Prozent - im Streubesitz sind. Dies zeuge von einer "gesunden Struktur". Sundt sieht die TA nun nach dem Ausstieg der TI nicht mehr als Übernahmekandidat als vorher. Auch die Frage einer feindlichen Übernahme stelle sich aktuell nicht, so der TA-Generaldirektor.

Darüber, dass die Partnerschaft mit den Italienern nach fünf Jahren nun beendet sei, seien beide Seiten "nicht unglücklich", meint Sundt. Jede strategische Partnerschaft sei eine "schwierige Aufgabenstellung", man habe sich stets bemüht, "die unterschiedlichen Tendenzen auszugleichen".

Stärkung des österreichischen Finanzplatzes

Einen Wunsch bezüglich der künftigen Eigentümerstruktur der TA wollte Sundt heute nicht äußern. Noch im November hatte er angesichts der festgeschriebenen bis zu 100-Prozent-Privatisierung der TA noch einen Verkauf über die Börse mit einer breiten Streuung zur Stärkung des österreichischen Finanzplatzes favorisiert. Weiters hatte sich Sundt vor zwei Monaten dafür ausgesprochen, dass der Bund aus dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit der TA zumindest als Sperrminoritäts-Aktionär erhalten bleiben solle. Diese Wünsche wollte Sundt heute gegenüber der APA nicht mehr erneuern. Ebensowenig wollte der Telekom-Boss einen Kommentar zum vielfach kolportieren Einstieg der Swisscom bei der TA abgeben.

Vollständige Privatisierung

Die Staatsholding ÖIAG kann laut gestern vereinbarter Behaltefrist ab 1. Juni 2004 weitere Schritte setzen, um ihr Aktienpaket von 47,2 Prozent entsprechend den gesetzlichen Vorgaben bis zur Gänze zu privatisieren. Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat heute neuerlich seine Vorgabe vom Dezember des vergangenen Jahres bekräftigt, wonach die TA bis zum Ende der Legislaturperiode 2006 vollständig zu privatisieren sei.

Die Telecom Italia war bei der TA 1998 mit einer Sperrminorität für damals umgerechnet knapp 16 Euro je Aktie eingestiegen. Beim Börsegang der Telekom Austria im November 2000 hatten die Italiener auf 29,8 Prozent aufgestockt. Im November 2002 warf der italienische Konzern bereits die erste Hälfte dieses TA-Pakets auf den Markt, gestern wurde der Rest verkauft. Schon im Juni 1997 hatte sich die TI ebenfalls mit 25 Prozent und einer Aktie an der TA-Mobilfunktochter Mobilkom Austria beteiligt, von diesem Anteil hatte sich die TI bereits im Juni 2002 getrennt.(APA)

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