"Keine Distanzierung von den Torten"

29. Jänner 2004, 19:22
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HörerInnenversammlung der Uni Wien stellt sich hinter die Aktion - Kommunistische Studierende üben massive Kritik an ÖH

Wien - "Keine Distanzierung von den Torten" hat eine HörerInnenversammlung von rund 200 Studenten an der Uni Wien am Mittwoch Abend in einer Resolution beschlossen. Damit stellte sich die basisdemokratische Einrichtung gegen die eigene Hochschülerschaft, die den Tortenwurf auf Rektor Georg Winckler und den Hochschul-Sektionschef im Bildungsministerium, Sigurd Höllinger, verurteilt und sich stattdessen für friedlichen Protest ausgesprochen hat.

Auch die in der Führung der Hochschülerschaft an der Uni Wien vertretenen Kommunistischen StudentInnen (KSV) attackieren die ÖH-Vorsitzenden Patrice Fuchs (Bundesvertretung) und Maria Lettner (Uni Wien): Deren Distanzierung vom Tortenwurf habe "die Studierenden wohl stärker ins Gesicht getroffen als den Vorsitzenden der Rektorenkonferenz das sahnig-cremige Qualitätsprodukt des heimischen ZuckerbäckerInnengewerbes", hieß es in einer mit "Torte statt Worte" übertitelten Aussendung am Donnerstag. "Verwunderlich" erscheint es KSV-Mandatarin Lonita Kuyumji, dass sich die "rot-grünen ÖH-Vorsitzenden nicht nur in vorauseilendem Gehorsam und im Namen der ÖH von dieser durchaus kreativen Form des Protests distanzieren, sondern auch einer Kriminalisierungskampagne herrschender Kreise Vorschub leisten".

GRAS: "Genug der Distanzierungen"

Eine "kreative und gewaltfreie Form des Protests" stellt der Tortenwurf auf Uni Wien-Rektor Georg Winckler und den Hochschul-Sektionschef im Bildungsministerium, Sigurd Höllinger, für die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) dar. Im Zuge der Aktion sei es weder zu Gewaltakten noch zu körperlichen Verletzungen gekommen, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. Gewalt bei den Aktivitäten gegen den Organisationsplan der Uni Wien werde dagegen klar abgelehnt.

Gleichzeitig "distanzieren wir uns von allen Distanzierungen und Distanzierungsaufforderungen und den damit verbundenen Kriminalisierungenversuchen", meinte GRAS-Bundessprecherin Brigitte Zumtobel. Wer die ÖH-Aktivisten als "gewaltbereite Chaoten" bezeichne oder einen Tortenwurf als "unglaubliche Eskalation der Gewalt" verstehe, gebe sich aber ohnehin der Lächerlichkeit preis.

Die ÖH Uni Wien selbst war am Donnerstag bemüht, die Wogen zu glätten. In einer Aussendung versuchte die ÖH den Vorwurf zu entkräftigen, Sektionschef Sigurd Höllinger sei bei der Podiumsdiskussion am Dienstag geohrfeigt worden: Das Video des Universitätsfernsehens zeige deutlich, dass davon "keine Rede sein" könne. Die ÖH hatte sich zwar von den Tortierungen distanziert, relativierte aber auch die öffentliche Kritik an der Aktion: "Absichtlich wird hier von offizieller Seite der vollauf berechtigte Protest der Studierenden als gewalttätig diffamiert, um deren inhaltliche Kritikpunkte ignorieren zu können." (APA/red)

  • Die HörerInnen-Versammlung der Uni Wien kritisierte die ÖH wegen ihrer Distanzierung vom Tortenwurf.
    foto: utv

    Die HörerInnen-Versammlung der Uni Wien kritisierte die ÖH wegen ihrer Distanzierung vom Tortenwurf.

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