Vertretung für Vaterschaftstest

23. Jänner 2004, 14:46
9 Postings

Ehemaligen FP-Mandatar wird vorgeworfen, an seiner Stelle einen Bekannten zum Bluttest geschickt zu haben

Dem früheren FP-Mandatar Wolfgang Haberler wird vorgeworfen, an seiner Stelle einen Bekannten zum Vaterschaftstest geschickt zu haben. Für die Staatsanwalt- schaft ist das Betrug.

***

Wiener Neustadt - Der ehemalige Vizeobmann der FP-Niederösterreich, Wolfgang Haberler (38), musste sich Donnerstag in Wiener Neustadt wegen versuchten, schweren Betruges vor Gericht verantworten. Er soll einen Bekannten an seiner Stelle zu einem Vaterschaftstest geschickt haben. Haberler hat zwar mittlerweile anerkannt, dass er der Vater eines fünfjährigen Kindes ist, doch eine Anklage konnte das nicht mehr verhindern. Drohender Strafrahmen: ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug.

Der Streit um die Vaterschaft beschäftigt bereits seit mehreren Jahren die Justiz. Es geht um ein Kind, das Christine P., eine ehemalige FP-Kollegin Haberlers, zur Welt brachte.

Nicht der Vater

Haberler legte 2001 ein Gutachten vor, das ihm bescheinigte, nicht der Vater zu sein. "Ist er doch", sagte die Mutter und ließ über ihren Rechtsanwalt Rudolf Rammel Beschwerde gegen das Testergebnis einlegen. Die zuständige Bezirksrichterin schenkte den Einwendungen Gehör und forderte Haberler zu einer weiteren Blutprobe auf, die dieser jedoch ablehnte. Auch eine DNA-Analyse soll vorerst an der Weigerung des Politikers, eine Speichelprobe abzugeben, gescheitert sein.

Der Fall ging schließlich an die Staatsanwaltschaft. Eine doch noch durchgeführte DNA-Analyse ergab schließlich, dass Haberler zu 99,9 Prozent doch der Vater sei. Ein Gutachter fand zudem heraus, dass seine Unterschrift beim ersten Test "mit größer Wahrscheinlichkeit gefälscht" war. Damit erhärtete sich der Verdacht, dass sich Haberler beim Vaterschaftstest vertreten hatte lassen.

Im September 2002, wenige Tage bevor wegen der Causa der Landesverfassungsausschuss über die Aufhebung seiner Abgeordnetenimmunität entscheiden sollte, gab Wolfgang Haberler seinen Austritt aus der FP bekannt. "Aus politischen Gründen", wie er damals betonte. Mit ihm verließen auch alle anderen freiheitlichen Mandatare aus Wiener Neustadt die Partei und gründeten die Bürgerliste WN-Aktiv.

Doch der Vater

Vor wenigen Monaten outete sich Haberler dann vor dem Wiener Neustädter Bezirksgericht freiwillig doch als leiblicher Elternteil. Den Betrugsvorwurf wies zuletzt sein Rechtsvertreter, Anwalt Farid Rifiaat, zurück. Der Prozess wurde zwecks Einvernahme weiterer Zeugen auf unbestimmt Zeit vertagt. (red, DER STANDARD Printausgabe 23.1.2004)

Share if you care.