EU-Außenkommissar kritisiert Anti-Drogenpolitik Kolumbiens

23. Jänner 2004, 07:25
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Anti-Kokaprogramm wird von der USA gestützt - Patten fordert FARC-Guerilla zum Dialog auf

Bogota/Quito - Bei einem Besuch in Kolumbien hat der EU-Außenkommissar Chris Patten die Anti-Drogenpolitik der kolumbianischen Regierung kritisiert. Nach einem Gespräch mit Präsident Alvaro Uribe am Mittwoch stellte Patten das US-gestützte Anti-Drogen-Programm Plan Colombia in Frage. Die Vernichtung von Koka-Feldern mit Pflanzenvernichtungsmitteln sei "keine wirksame Methode", sagte Patten bei seinem zweitägigen Besuch in dem südamerikanischen Land. Wer wolle, könne seine Pflanzungen gegen das Besprühen mit toxischen Mitteln aus der Luft schützen; gleichzeitig würden aber Nachbarkulturen geschädigt, die mit dem Drogenanbau nichts zu tun hätten.

USA zahlten 2,6 Milliarden Dollar

Die USA unterstützten den Plan Colombia seit dem Jahr 2000 mit bisher 2,6 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro). Allein im vergangenen Jahr wurden etwa 100.000 Hektar Koka-Plantagen in Kolumbien vernichtet. Das Land ist mit rund 700 Tonnen Jahresproduktion der weltgrößte Kokainproduzent. Rund sechs Tonnen Heroin gelangen außerdem jährlich aus Kolumbien auf den internationalen Markt.

Patten regt Gefangenenaustausch an

Nach seinem Appell an die Regierung, die Menschenrechte im Kampf gegen den Terrorismus zu achten, forderte Patten die Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) zu Verhandlungen auf. Patten regte einen Gefangenenaustausch an. Es gebe keine "schlimmere Verletzung der Menschenrechte, als eine Familie jahrelang auseinanderzureißen", sagte der EU-Kommissar mit Blick auf die zahlreichen Geiseln in den Händen der FARC. Während seines Besuchs traf Patten auch Vertreter mehrerer internationaler Menschenrechtsgruppen.

Derzeit etwa 800 Zivilisten in Gefangenschaft

Die Guerilla hält gegenwärtig etwa 800 Zivilisten und 21 politische Gefangene fest, unter ihnen die Politikerin und ehemalige Präsidentschaftskandidaten der kolumbianische Grünen, Ingrid Betancourt. Von 47 entführten Armeeangehörigen sind einige bereits mehr als sechs Jahre in Geiselhaft; auch drei US-Bürger sind in Händen der FARC, die mit rund 17.000 Mitgliedern die größte Guerilla Kolumbiens ist. Alle Versuche, den Konflikt zwischen Rebellen und Regierung zu lösen, schlugen bisher fehl. In rund 40 Jahren Bürgerkrieg in dem südamerikanischen Land wurden rund 200.000 Menschen getötet.

Am Donnerstag wollte Patten mit den Außenministern der Andengemeinschaft (CAN) in Quito zusammenkommen. Zur CAN zählen Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela. (APA)

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