"Zu gut angezogen"

22. Jänner 2004, 11:12
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Spanischer Richter wies Missbrauchsklage schicker Frau gegen Ehemann ab

Madrid - In Spanien wurde eine Klage gegen einen Ehemann wegen Misshandlung seiner Frau abgewiesen. Grund: Für ein Opfer häuslicher Gewalt sei die Marokkanerin zu gut angezogen, urteilte Richter Javier Paul Collado laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Efe vom Mittwoch. Die 22-Jährige hatte ihren Mann beschuldigt, sie ein halbes Jahr lang geschlagen zu haben, bis sie in ein Frauenhaus floh.

Auch diese Flucht interpretierte der Richter zu Gunsten des Angeklagten: Sie passe nicht "zu dem Verlust jeglicher Initiative, der misshandelte Ehefrauen kennzeichnet", steht es in der Urteilsbegründung. Dem Äußeren der Klägerin widmete Collado einen ganzen Absatz: Ihre "äußere Erscheinung während der dreitägigen Verhandlung, nicht nur geschminkt, sondern auch jeden Tag anders gekleidet, mit Ringen und kostbaren Armreifen, stimmt nicht mit dem Bild einer Frau überein, die monatelang Gewalt erleiden musste", schrieb er dem Efe-Bericht zufolge.

Frauenrechtlerinnen protestieren

PolitikerInnen und Frauenrechtlerinnenempörten sich über das Urteil. "Es ist ein typisches Beispiel dafür, dass einige Richter absurde Klischeevorstellungen von häuslicher Gewalt haben", so die Vorsitzende der spanischen Vereinigung getrennter und geschiedener Frauen, Ana Maria Perez del Campo. Sozialminister Eduardo Zaplano sagte, auf die Gerichtsentscheidung angesprochen: "Manchmal hört man von Urteilen, bei denen sich einem die Haare sträuben." Die Klägerin will Berufung gegen die Entscheidung einlegen. (AP/red)

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