Kolumbien: Schach und Würfel gegen Guerilleros

22. Jänner 2004, 13:04
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Regierung verteilt Steckbriefe auf Rückseite von Spielen - Zwei Millionen Euro Kopfgelder

Bogota - Kolumbiens Regierung setzt im blutigen Konflikt mit linken Guerilleros jetzt auch auf Spiele wie Schach, Würfeln und Dart. Insgesamt sollen eine Millionen Steckbriefe verteilt werden, auf deren Rückseite Zielscheiben, Schachfelder und andere Brettspiele aufgedruckt sind, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Ganz oben auf der Liste der insgesamt mehr als 50 gesuchten Rebellen steht der Chef der marxistischen "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC), Manuel Marulanda alias Tiro Fijo (Blattschuss). Die Kopfgelder belaufen sich auf insgesamt umgerechnet zwei Millionen Euro.

Zehntausende Opfer

In Kolumbien kämpfen verschiedene Guerillagruppierungen, darunter die FARC, und rechte Paramilitärs. Die Verbindungen mit Drogenbossen und -kartellen werden vor allem von den USA hervorgekehrt. Drogengelder dienen teilweise zur Finanzierung der Kämpfe und Waffen, für viele Guerilleros sind Drogengeschäfte auch eine wichtige Einnahmequelle. Schließlich sind viele der heutigen Kämpfer nicht mehr von einem sozialistische Projekt überzeugt - die Guerilla stellt vielmehr in der armen Region eine Möglichkeit der Existenzsicherung dar.

Polizei und Militär bilden eine dritte Front. Leidtragend ist vor allem die Zivilgesellschaft. In den vergangenen Jahren sind dem Konflikt zehntausende Menschen zum Opfer gefallen und Millionen aus ihren Heimatregionen in die größeren Städte geflüchtet. Präsident Alvaro Uribe gewann die Wahl vor allem aufgrund seines Versprechens, hart gegen die Guerilla vorzugehen. (APA)

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    Der Anführer der marxistischen Guerilla FARC (Bewaffenete Revolutionsarme Kolumbiens), Manuel Marulanda, genannt "Tiro Fijo", steht auf der Liste der 50 "most wanted" Kämpfer ganz oben. Sein Bild kennt allerdings ohnehin jeder in Kolumbien.

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