Frühe Geschenke erhalten das Kunsthaus

27. Jänner 2004, 20:25
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"Deutsche und Österreichische Kunst" bei Sotheby's wird mit moderner, surrealistischer und impressionistischer Kunst eingebettet

London - "Diesmal nutze ich die Farbe viel energievoller, und ich habe eine Menge Bilder im Kopf, mein Gott, die müssen nur gemalt werden." Worte von Lyonel Feininger 1908 in einem Brief an seine Frau. Eines dieser Bilder, bei dem der Maler sich auf den Stil seiner Pariser Illustratorenjahre rückbesann, gilt als Toplos der kommenden Auktion "Deutsche und österreichische Kunst" am 3. Februar bei Sotheby's in London.

Klassische Moderne wird da angeboten, das 19. Jahrhundert geht erst - klugerweise gemeinsam mit ungarischen oder tschechischen Bildern - im Juni über die Bühne. Feinigers Gemälde, wie so viele bei der Auktion aus US-amerikanischer Provenienz, soll zwischen 1,7 und 2,29 Millionen Euro bringen.

Relativ schmal ist der Katalog ausgefallen, viele der Lose wurden in den 80er-Jahren bei Auktionen ersteigert - was auch deren Attraktivität ein wenig schmälert. Das ist nicht der Fall bei Egon Schieles Mädchen mit grüner Schürze, dem wohl attraktivsten Werk der sechs angebotenen "Österreicher", als da wären Klimt, Kubin und eben Schiele. Dessen 1910 vollendetes, mit schwarzer Kreide wie mit Gouache- und Wasserfarben gemaltes Porträt stammt aus der Familie Heinrich Glück, Wien. 715.000 bis eine Million Euro soll es bringen.

Die Spezialauktion ist eingebettet in eine dichte Woche mit Versteigerungen von impressionistischer, moderner wie surrealistischer Kunst bei Christie's wie auch Sotheby's in London. Besonders bei den Surrealisten strengt man sich in beiden Häusern an, im Jahre des 100. Geburtstages von Salvador Dali. Dessen um 1935/36 fertig gestelltes, also schon spätsurrealistisches Ölbild L'echo du vide (Das Echo der Leere), eine Art Antwort auf Arnold Böcklins berühmte Toteninsel, schätzt Christie's zwischen 1,8 und 2,6 Millionen Euro.

Versteigertes Geschenk

Dasselbe Auktionshaus versteigert auch das bemalte Holzrelief Configuration von Hans Arp, ein Geschenk vom damaligen Präsidenten des Kunstvereins, Emmanuel Hoffmann, an die Kunsthalle Basel im Jahre 1933. Dass dieses Werk (220.000-290.000 €) nun versteigert wird, um die Renovierung der Kunsthalle mitzufinanzieren, stimmt zumindest nachdenklich.

German and Austrian Art, in den vergangenen zehn Jahren oft in dicken Katalogen im Schuber angepriesen, wird bei Christie's der internationalen Kategorie "Impressionist and Modern Art" einverleibt. "Wir bieten damit eine neue Plattform, auf der diese Werke ohne Wertverlust weiter angeboten werden können", kommentiert dies Christie's-Sprecherin Alexandra Kindermann. "Mit den Italian Sales wollen wir später Ähnliches erreichen. Die Swiss-Art-Auktion etwa bedient lediglich einen lokalen Markt."

Aus Österreich gelangt diesmal nichts zur Auktion, aus Deutschland u.a. einige "Beckmänner" und ein Schmidt-Rottluff aus der Sammlung des deutschen Bankiers Wilhelm Reinold. Für eine von Beckmann im Amsterdamer Exil gemalte Frau mit Blumen verlangt Christie's 860.000 bis 1,1 Millionen Euro; Sotheby's schätzt die weniger monumentale, 1946 entstandene Italienerin zwischen 285.000 und 428.000 Euro. Am 2. Februar geht die turbulente Woche los. (Doris Krumpl/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2004)

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