"Super Bowl des Wintersports"

26. Jänner 2004, 15:33
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Die Skirennen in Kitzbühel bilden das größte heimische Sportereignis des Jahres - Und nicht zuletzt läuft wieder eine riesige Werbemaschinerie ...

Die Skirennen in Kitzbühel bilden nach der Formel-1-Absage das größte heimische Sportereignis des Jahres. Hunderttausende sind via ORF dabei, Zigtausende feiern vor Ort. Nicht zuletzt läuft wieder eine riesige Werbemaschinerie.

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Österreich ist ein großes Land, und an jenem sehr langen Wochenende im Jänner, an dem in Kitzbühel Ski gefahren wird, ist Österreich am allergrößten. Im Vorjahr sahen 1,738 Millionen Österreicher die Abfahrt auf ORF 1, der nationale Marktanteil lag bei 76 Prozent. Im Zielauslauf feierten 25.000 Fans am Abend bei der Siegerehrung, obwohl mit Daron Rahlves, Didier Cuche und Kjetil-Andre Aamodt ausnahmsweise drei Nichtösterreicher aufs Podest gefahren waren. Der Steirer Hans Knauß redet heute noch gern und oft von seinem Sieg 1999 und der Siegerehrung vor 50.000 jubelnden Landsleuten.

Titelsponsor, "Premium Partner, ...

In Kitzbühel will man dabei sein, in Kitzbühel will man dazugehören. Das betrifft den ORF und die Fans, das betrifft vor allem aber auch Sponsoren. Wobei niemand bekannt gibt, was er sich den Werbeauftritt am Hahnenkamm kosten lässt. Die Audi AG unterstützt Kitzbühel seit 2001, dieses Engagement ist keine Ausnahme, Audi ist gleichzeitig der Titelsponsor des gesamten alpinen Ski-Weltcups und hilft nebenbei auch dem deutschen Verband. A1 wiederum nennt sich "Premium Partner" der Hahnenkamm-Rennen, diese Partnerschaft geht "im Rahmen eines umfassenden Engagements für den Österreichischen Skiverband" vonstatten, genau so steht es in der Pressemitteilung.

Laut Gösser-Produktmanager Mario Scheckenberger "passt der alpine Ski-Weltcup mit dem Saisonhöhepunkt in Kitzbühel hervorragend zur Marke Gösser", schließlich sei auch Gösser "ein lebendiger Mythos". Für Harti Weirather, den Streif-Sieger von 1982 und Eigentümer der Agentur WWP, die das Hahnenkamm-Wochenende vermarktet, ist Kitzbühel gar die "Super Bowl des Wintersports".

Bogen und Sprung

Neben Audi, A1, Gösser und Media Markt ist heuer erstmals auch Red Bull an Bord, bis dato hat sich der Energydrink-Hersteller sehr auf den Extremsport konzentriert. Nun springen die Skifahrer auf der Hausbergkante aus einem eigenen Werbebogen, darüber springen die bekannten Stiere auf die bekannte Sonne zu, und in der Sonne bleibt eine Zwischenzeit stehen. Ansonsten kommt der Stier als Logo oft gemeinsam mit einem Hahn und einem Skifahrer daher, das nennt man unterschwellig. Für die Betreuer wurden an der Piste drei Stahlgerüste mit Plattformen errichtet, die Stahlgerüste heißen "Krähennester", das klingt tatsächlich besser. Und wenn die Pistenarbeiter um zwei Uhr in der Nacht ihren Dienst antreten, dann sind nette junge Damen zur Stelle und reichen Dosen mit der Taurin-haltigen Flüssigkeit.

"Noch mehr Kitzbühel für die Ski-Fans"

Der ORF hat das Motto "noch mehr Kitzbühel für die Ski-Fans" ausgegeben. Eine spezielle Kamera ist an der Nase eines Hubschrauber montiert, das System des US-Herstellers FLIR (Forward Looking Infrared) soll für stabile Bilder sorgen. Im Vorjahr hat der ORF für den auf Montag verlegten Super-G zusätzlich 100.000 Euro investiert. Heuer findet, und wenn das Wetter noch so viele Kapriolen schlägt, am Montag definitiv kein Rennen statt, weil der ORF mit seinem technischen Equipment schon zu den Damenrennen nach Haus im Ennstal übersiedeln muss. Am Ende ist Österreich doch auch irgendwie ein kleines Land. (Fritz Neumann/DER STANDARD; Printausgabe, 22.4.2004

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