Die Wiener VP pflegt wieder eine Obmanndebatte

22. Jänner 2004, 16:02
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Wahlen erst 2006 - parteiintern ringen Liberale und Konservative um Einfluss

Wien - "Ich richte an die Partei den Appell, mit der Diskussion um einen Spitzenkandidaten für die Wiener ÖVP bis zum Herbst zu warten", forderte Matthias Tschirf, VP-Klubobmann im Wiener Rathaus am Mittwoch im STANDARD-Gespräch.

Vorerst seien in diesem Jahr noch drei Wahlen zu schlagen und dann werde man sehen, wie man sich positionieren müsse, so Tschirf. Wie DER STANDARD berichtete, ist Johannes Hahn seit seiner Wahl zum nicht-amtsführenden Stadtrat im vergangenen Jahr de facto Parteichef in Wien, da er als einziger als stellvertretender Parteichef gleichzeitig auch in einer Spitzenposition im Rathaus verankert ist. Seither gilt er als heißer Favorit für die Spitzenkandidatur bei den nächsten Gemeinderatswahlen im Jahr 2006. Bis dahin bleibt Finanzstaatssekretär Alfred Finz Wiener VP-Chef. Ihm wird immer wieder vorgeworfen, dass er sich vorrangig um seine Bundesaufgaben kümmere, auf Wiener Ebene wenig präsent sei.

Kandidatenkreis

"Hahn wäre ein guter Mann", konzediert Tschirf, um die Personaldebatte gleich selbst um einen potenziellen Kandidaten zu bereichern: "Mir würde zum Beispiel auch noch Gesundheitssprecher Erwin Rasinger einfallen." Aus seiner Sicht sei das wichtigste Kriterium für den Spitzenkandidaten "wirtschaftliche und soziale Kompetenz". Tschirf auf den Hinweis, dass dies auf Hahn als Gesundheitssprecher und ehemaligen Novomatic-Chef zutreffe: "Ja, aber auch auf Rasinger." Intern formieren sich auch Befürworter rund um Ex-VP-Generalsekretär Ferry Maier.

Spannend wird, welcher Flügel - Konservative oder Liberale - sich in der nächsten Zeit in der Wiener Partei durchsetzen wird. Johannes Prochaska, einer der langgedienten Funktionäre, pocht gegenüber Medien darauf, dass auch wertkonservative Menschen sich in der Partei wohlfühlen müssten. Johannes Hahn, der sich selber als Wahlalternative für Grünsympathisanten sieht, vertritt einen gesellschaftspolitisch gemäßigten und wirtschaftsfreundlichen Weg der Stadtpartei. Bei der nächsten Gemeinderatswahl strebt die Volkspartei an, zweitstärkste Kraft in Wien zu werden. Eine grün-schwarze Koalition auf Wiener Ebene sei ein "charmanter Gedanke". (aw, frei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2004)

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