Johlende Männer und schockierte Frauen

21. Jänner 2004, 19:37
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Heftige Debatte zum steirischen Sexskandal nach Klasnic-Rede vor dem Landtag

Graz - "Ich bin keine, die man groß schockieren kann, aber gestern ist mir ein paar Mal die Stimme weggegangen, so schockiert war ich", beschreibt die Frauensprecherin der steirischen SP, Barbara Gross, ihre Gemütslage während der Landtagsdebatte über die sexuellen Übergriffe eines Hofrats gegen seine Sekretärin im Landesdienst.

Am späten Dienstagnachmittag verlas Gross eine dringliche Anfrage von SP, FP und Grünen, in der VP-Landeshauptmann Waltraud Klasnic aufgefordert wurde, zu Ungereimtheiten im Fall Stellung zu nehmen. Die Beantwortung Klasnics löste bei den anderen Parteien Entsetzen aus. Denn sie verurteilte den Täter nicht, sondern sprach fast ausschließlich von der betroffenen Frau, die von den Medien und den anfragenden Parteien ein zweites Mal "scheinheilig" missbraucht werde. Dass man weder disziplinarrechtlich noch mit einer Anzeige gegen den Täter vorgegangen sei, begründete Klasnic damit, dass ihr nur der Tatbestand der "Diskriminierung" bekannt gewesen sei.

Dass Klasnic die sofortige Versetzung der Frau veranlasste und den Hofrat in Pension schicken wollte - was dieser ablehnte - ohne mehr gewusst zu haben, glaubte die rot-blau-grüne Allianz nicht.

Beschimpfungen

Als die Grünen-Abgeordnete Edith Zitz zum Rednerpult schritt, kam Bewegung in die Bänke der männlichen VP-Abgeordneten. Unter den Augen ihrer Chefin beschimpften einige von ihnen Zitz lautstark: "Schämt's euch!" oder "Verleumder" wurde geschrien. Zitz warf der Landeshauptfrau "mehrere Grenzüberschreitungen" in deren Rede vor. Etwa als Klasnic durch das Preisgeben der Therapieform, der sich das Opfer unterziehen muss, dessen Krankheit öffentlich gemacht habe.

Die FP-Abgeordnete Theresia Zierler bemerkte - ebenfalls unter Gejohle der VP-Politiker - , nicht erwartet zu haben, "dass man sich bei der Beantwortung der Fragen hinter dem Opfer versteckt". Dann berührte sie Wunden ihrer eigenen Partei: "Es macht mich betroffen, "dass wir aus der Affäre Spielberger nichts gelernt haben", so Zierler. "Auch damals versuchte man, alles unter den Teppich zu kehren", erinnerte Zierler an den "viel zu spät" rechtsgültig verurteilten FP-Stadtpolitiker Ferdinand Spielberger. (cms/DER STANDARD, Printausgabe 22.01.2004)

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