Weitere Unruheherde in der Bank Austria Creditanstalt

28. Jänner 2004, 16:15
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Abgangsgerüchte um BA-CA-Vizechef Friedrich Kadrnoska

Wien - Die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) kommt nicht zur Ruhe. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass es mit der vorzeitigen Ablöse von Karl Samstag als BA-CA-Vorstandsvorsitzendem nicht getan sein wird. Auch Friedrich Kadrnoska, Samstags Stellvertreter im Vorstand, soll seinen Abgang erwägen. Ein Statement von Kadrnoska, der im Vorstand auch den von Einschnitten bedrohten Personalbereich verantwortet,war dazu am Mittwoch nicht zu bekommen.

Bereits am kommendem Montag wird der BA-CA-Aufsichtsrat zusammentreten und das abrupte Revirement im Vorstand der größten Bank des Landes beschließen. Was so gut wie feststeht: Auf Samstag folgt BA-CA-Vorstandsmitglied Erich Hampel. Der 53jährige, einst PSK-Manager und (nach dem Verkauf an die Bank Austria) CA-Generaldirektor, gilt als ausgesprochen loyal gegenüber Gerhard Randa, dem Aufsichtsratspräsidenten der BA-CA.

Die vorzeitige Ablöse Samstags, die auf Betreiben Randas stattfindet, sorgt nicht nur in der Bank für hohe Wellen. In der Wiener Sozialdemokratie macht sich da und dort Unmut gegenüber Randas "Verhalten eines allmächtigen Fürsten" (ein Wiener SPÖ-Gemeinderat) breit. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl machte seinem Unmut gegenüber dem Druck der Münchner BA-CA-Mutter HypoVereinsbank (HVB) via Kurier Luft. Er betonte,dass die Gemeinde Wien "größter Einzelkunde der Bank ist und pfleglich behandelt werden" wolle.

Vertauschte Rollen

Auch SPÖ-Finanzsprecher, Nationalratsabgeordneter Christoph Matznetter, attackiert die HVB, die ihre Wiener Tochter zu engerer Kooperation auf- und höhere Erträge einfordert. Matznetter zum STANDARD: "Die BA-CA ist im Vergleich mit der HVB so gut, dass schwer zu sagen ist, wer da der Schwanz und wer der Hund ist."

Politische Statements, die in München als "Wiener Angelegenheit" nicht kommentiert werden. Im übrigen verfolgen die Bayern die Entwicklungen in Wien höchst interessiert. Die Ablöse Karl Samstags deuten sie als Signal dafür, dass die Wiener die Unzufriedenheit der HVB mit der BA-CA "ernstnehmen".

Die HVB macht Druck, erwartet von Wien bessere Ergebnisse aus dem Geschäft in Zentral- und Osteuropa, weitere Outsourcing-Programme und Einschnitte im Dienstrecht. Und Karl Samstag war in den Augen der HVB-Manager "nicht der Richtige", um diese Remedur gegen den Willen des BA-CA-Betriebsrats durchzusetzen.

Die Belegschaft wetzt indes auch schon die Messer. Kommenden Dienstag gibt es eine Mitarbeiterversammlung, in der Zentralbetriebsratschefin Hedwig Fuhrmann ihre Sicht der Dinge darlegen wird. Sie tritt massiv gegen den bis 2005 geplanten Abbau von rund 1600 Stellen ein. Und sie bekommt Schützenhilfe aus München. Der Chef des HVB-Gesamtbetriebsrats, Peter König: "Im Kampf gegen diesen utopischen Personalabbauplan sind wir mit den Wienern solidarisch." (Renate Graber, Der Standard, Printausgabe, 22.01.2004)

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