Draken-Betrieb "ein Hochrisiko-System"

22. Jänner 2004, 16:02
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Peter Pilz: Luftraumüberwachung mit alten Jets ineffizient, teuer und gefährlich

Wien - Der Grünen-Abgeordnete Peter Pilz war nie ein Befürworter der Luftraumüberwachung - nun aber macht er sich nach eigenem Bekunden ehrliche Sorgen um die Piloten: "Die Piloten werden jetzt in ein Hochrisikosystem gedrängt und müssen mit untauglichen Mitteln versuchen, den Draken-Betrieb zu verlängern. Nur damit ein Schein einer Luftraumüberwachung erhalten wird."

Tatsächlich ist aus Schweden keine technische Unterstützung für die über 40 Jahre alten Flugzeuge mehr zu erhalten. Die Fliegerwerft, zu der die Draken bisher gebracht wurden, um größere Servicearbeiten durchzuführen, ist inzwischen auf den Gripen umgerüstet, die Techniker umgeschult. Für die Volvo-Triebwerke des Draken gibt es überhaupt keine Ersatzteile mehr, hat Pilz erfahren. Von schwedischer Seite werde lediglich ein "Abverkauf von restlichen Ersatzteilen" angeboten. Damit allerdings könne ein geregelter Betrieb der Luftraumüberwachung mit Abfangjagd nicht sichergestellt werden. Und: Jeder einzelne Flug werde zum Risiko.

Pilz ist nicht der Erste, der sich solche Sorgen macht: Schon vor sechs Jahren hatte der damalige Wehrsprecher des Liberalen Forums, Hans-Helmut Moser, im STANDARD gesagt: "Schon jetzt ist die Garantie für den Draken abgelaufen - und für jeden Absturz, auch für jede Verletzung, die durch den Betrieb des Draken entsteht, ist der Verteidigungsminister persönlich und politisch verantwortlich." Allerdings: Bisher konnten die 22 noch funktionstüchtigen Draken weiter betrieben werden - und zwar seit dem Zulauf im Jahr 1987 ohne nennenswerte Unfälle.

Wegen der Verzögerungen beim Flugzeugkauf stehen heute weniger Draken-Piloten als Flugzeuge zur Verfügung. Luftstreitkräfte-Kommandant Erich Wolf versucht nun, wenigstens das Material aus Schweden zu sichern. Im Gespräch sind laut Informationen von Pilz zwei Varianten: Bereitstellung von Ersatzteilen für zwei Jahre (Kostenpauschale: 40 Millionen Euro) oder für fünf Jahre um 60 Millionen Euro. Österreich denkt eher an die zweite Variante.

Dies würde ermöglichen, in der Übergangsphase zum Eurofighter den Draken weiter zu betreiben. Wolf versichert, dass "nur flugklar geschriebene" Flugzeuge fliegen würden. Zwischen 2005 und dem Eintreffen der ersten österreichischen Eurofighter 2007 entweder österreichische Draken oder fremde Flugzeuge. Dies aber wäre teuer: Schweden bietet dafür gebrauchte Gripen um 100 Millionen Euro an, auch eine Bereitstellung von Leih-Eurofightern aus anderen Ländern wäre nicht gratis.

Zu den Schwächen des Draken und den unklaren Kosten der Übergangslösung kommt noch das Problem mit den Betriebskosten: Während das Bundesheer auf eine Abdeckung in der Höhe von 50 Millionen Euro pro Jahr hofft, will man im Finanzministerium einen Betriebskostenrahmen von 30 Millionen vorsehen. Tatsächliche Betriebskosten dürften aber bei eher 70 Millionen Euro liegen. (cs, APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2004)

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