Hamburger Terrorprozess: Urteilsverkündung wird verschoben

22. Jänner 2004, 12:07
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Neueröffnung der Beweisaufnahme über Angeklagten Mzoudi - Angaben eines neuen Belastungszeugen sollen überprüft werden

Hamburg - Einen Tag vor der geplanten Urteilsverkündung im zweiten Hamburger Terrorprozess um die Anschläge des 11. September 2001 hat das Oberlandesgericht am Mittwoch überraschend die Beweisaufnahme über den Angeklagten Abdelghani Mzoudi neu eröffnet.

Nach eigenen Angaben folgte das Gericht einem Antrag der Bundesanwaltschaft. Es habe am Mittwoch ein Protokoll über die Vernehmung eines Zeugen erhalten. Dieser belaste den Angeklagten.

Mzoudis Verteidigerin sagte, der Zeuge sei ein iranischer Geheim-Agent. Nach dessen Angaben bedrohe El Kaida Mzoudi mit dem Tode, weil er mit den deutschen Behörden kooperiert habe. Der Zeuge will US-Behörden vor dem 1. September 2001 vor Anschlägen gewarnt haben.

Bundesanwaltschaft beantragte Prozessunterbrechung

Um die Angaben des Zeugen und dessen Glaubwürdigkeit prüfen zu können, beantragte die deutsche Bundesanwaltschaft nach Angaben des Gerichts eine Prozess-Unterbrechung für 30 Tage.

Der Vorsitzende Richter lud daraufhin für diesen Donnerstag zwei Vernehmungsbeamten des Zeugen sowie einen Bundesanwalt vor. Der weitere Prozess-Fortgang werde sich am Schluss der Verhandlung am Donnerstag ergeben. Ein neuer Urteilstermin stehe nicht fest.

Als mutmaßlicher Helfer der Hamburger Terrorzelle um den späteren Todespiloten Mohammed Atta ist Mzoudi angeklagt wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Die Bundesanwaltschaft forderte 15 Jahre Haft.

Eine Ende 2003 vom Bundeskriminalamt übermittelte anonyme Zeugen-Aussage entlastete Mzoudi. Das Gericht hob daraufhin die Untersuchungshaft auf. Die Verteidigung forderte Freispruch. (APA/dpa)

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