Slowenien nominiert Janez Potocnik als EU-Kommissar

23. Jänner 2004, 14:39
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Europaminister und ehemaliger EU-Chefverhandler gilt als einer der beliebtesten Politiker des Landes

Laibach - Der slowenische Europaminister Janez Potocnik soll EU-Kommissar werden. Dies gab der slowenische Regierungschef Anton Rop am heutigen Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Laibach bekannt. Die Nominierung des 45-jährigen Ökonomen stellt keine Überraschung dar. Potocnik galt seit Monaten als Favorit für diese Funktion, obwohl erst am Dienstag Spekulationen über einen Wechsel von Landwirtschaftsminister Franci But nach Brüssel aufgetaucht waren.

Rop sagte, Potocnik sei mit seinen Erfahrungen als erfolgreicher Verhandler mit der Brüsseler EU-Zentrale die am meisten geeignete Persönlichkeit für die Ausübung der verantwortlicher Arbeit eines EU-Kommissärs. Potocnik zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut über die "Anerkennung" für seine bisherige Tätigkeit. "Die Arbeit in der Europäischen Kommission sehe ich als eine fachlich sehr große Herausforderung, die man nur schwer ausschlagen kann". Zugleich betonte er, dass es sich bei seiner Nominierung nur eine "Kandidatur" handle, da der slowenische Vorschlag auch für EU-Kommissionspräsident Romano Prodi annehmbar sein müsse. Es gebe auch die Möglichkeit, dass Prodi seine Nominierung zurückweise, betonte Potocnik.

Mit Potocnik wechselt einer der beliebtesten Politiker Sloweniens nach Brüssel. Der Ökonom hat sich in den vergangenen Jahren über die Parteigrenzen hinweg Anerkennung für seine erfolgreiche Tätigkeit als EU-Chefverhandler erworben. Beim letzten Fortschrittsbericht der EU-Kommission im vergangenen November hatte nämlich Slowenien als einziges der zehn Beitrittsländer keine Verwarnung erhalten. Viele politische Beobachter glauben, mit der Nominierung Potocniks habe sich Ministerpräsident Anton Rop vor den Parlamentswahlen im Herbst auch einen gefährlichen innenpolitischen Widersacher vom Hals geschafft.

"Mister Europe"

Wegen seiner bescheidenen und gewinnenden Art tat sich in der Vergangenheit auch die rechtsgerichtete Opposition äußerst schwer, den parteilosen Fachmann Potocnik zu kritisieren. Bezeichnend war daher auch seine erste Reaktion des slowenischen "Mister Europe" auf die Nominierung am Mittwoch. "Die Arbeit in der Europäischen Kommission sehe ich als eine fachlich sehr große Herausforderung, die man nur schwer ausschlagen kann", sagte er, und betonte, dass seiner Kandidatur nun noch Kommissionspräsident Romano Prodi zustimmen müsse.

Besonders geschätzt wird an Potocnik seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Als EU-Chefverhandler betonte er zwar ständig sein Bemühen, das beste für Slowenien herausholen zu wollen, warnte aber zugleich vor übertriebenen Erwartungen. In einem Gespräch mit der APA sprach er im vergangenen März von einer "Fülle von Problemen", die auf Slowenien nach dem EU-Beitritt zukämen. "Angesichts dessen, was vielleicht im ersten oder zweiten Jahr (nach dem Beitritt, Anm.) passieren wird, dürfen wir nicht verzagen, wir treten der Union nämlich mit langfristigen Absichten bei."

In atemberaubender Offenheit räumte Potocnik auch mit der Illusion auf, dass in der Europäischen Union alle Mitgliedsstaaten gleich sind. Wichtig ist zunächst einmal, dass man dabei sei. "Die Europäische Union ist wie ein Golfklub, in dem die Reicheren und Entwickelteren spielen. Als Anfänger braucht man Ausrüstung zum Spielen - eine Kappe, eine Jacke, einen Schläger. Auf den Rasen wird man erst nach einer bestimmten Anzahl von Trainingsstunden gelassen und man muss einen Mitgliedsbeitrag zahlen", sagte er im vergangenen April bei einer Podiumsveranstaltung in seiner Oberkrainer Heimat.

Janez Potocnik wurde 1958 in der Hüttenstadt Kropa in Nordslowenien geboren und studierte an der Laibacher Wirtschaftsfakultät. Seit einigen Jahren ist er Dozent an der Laibacher juridischen Fakultät. Zwischen 1993 und 2001 war er Direktor des Regierungsamts für makroökonomische Analysen und Entwicklung. Seit dem Jahr 1998 führte er das slowenische Verhandlungsteam mit der Europäischen Union. Nach der Parlamentswahl im Herbst 2000 wurde er vom damaligen Ministerpräsidenten Janez Drnovsek als Europaminister in die Regierung geholt. (APA)

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    Der slowenische Europaminister Janez Potocnik soll EU-Kommissar werden (im Bild rechts neben dem ungarischen Politiker Ivan Baba).

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