Monogamie ... auf den Felsen

28. Jänner 2004, 14:19
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Dauerzweisamkeit auch bei Vögeln keine Fahrkarte ins umfassende Glück - wenn das Sperma altert, wird getrickst

Wien - Strenge Monogamie ist offenbar auch bei Vögeln keine Garantie für immerwährende Harmonie. Wie Studien am Konrad Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) an Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla) belegen, haben Männchen und Weibchen - was die Jungen angeht - grundsätzlich unterschiedliche Ziele und Ansichten.

Zielsetzungen

Dreizehenmöwen gelten als ausgesprochen monogam. Weniger als ein Prozent der im gemeinsamen Nest zur Welt gebrachten Jungen stammen nicht vom Partner des Weibchens, erklärte Verhaltensforscher und Studienautor Richard Wagner. "Eine gefiederte Welt der Eintracht" - könnte man meinen. Während es dem Weibchen aber darum geht, möglichst gesunde Junge in die Welt zu setzen, ist dem Männchen - wie so oft im Tierreich - nur wichtig, dass der Nachwuchs tatsächlich von ihm stammt.

Dazu kommt, dass das Weibchen nach einer Kopulation den Samen zwar in einem eigenen Reservoir speichern können, die Spermien aber nachweislich altern. Sie degenerieren mit der Zeit, was sowohl den Bruterfolg als auch den Zustand der geschlüpften Küken nachteilig beeinflussen kann.

Ausschuss

Die Weibchen greifen daher zu einem Trick. Da das Ei erst rund einen Tag vor dem Legen befruchtet wird, befördert es häufig den Samen nach einer Kopulation lange vor der Eiablage wieder aus dem Körper. Dazu komprimiert es mittels Muskel die so genannte Kloake - die Geschlechtsöffnung - und das Ejakulat landet in der Umwelt. Erst wenn der Tag der Befruchtung des Eies heranrückt, tut das Weibchen das nachweislich seltener.

So stellt es sicher, dass stets nur frische Spermien zum Zuge kommen. Für das Männchen ist dies - menschlich ausgedrückt - natürlich ein Grund zur Besorgnis, da damit die Gefahr wächst, dass kurz vor der Befruchtung doch noch ein Nebenbuhler zuschlägt und der Herr des Nests fremde Brut aufzieht. Bemerkt der Partner, dass sein Weibchen zu ihrem Trick greift, um sich seines alten Samens zu entledigen, so schreitet auch er zur Tat, er bleibt häufiger nach der Kopulation auf dem Rücken des Weibchens sitzen und verhindert durch sein Gewicht das Entleeren der Kloake.

Auch diesen Zusammenhang konnten die Forscher eindeutig nachweisen. Laut Wagner konnte mit der Studie erstmals nachgewiesen werden, dass Weibchen neben gezielter Selektion eines Partners - nicht monogamen Paaren - auch innerhalb einer Partnerschaft auf die Qualität des Samens achten. Bisher konnte das noch für keine Tierart belegt werden.(APA)

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