Telekom Austria erstmals mehrheitlich privat - Aktie fantasiert

29. Jänner 2004, 12:33
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Sundt "nicht unglücklich" über Ende der Italien-Partnerschaft - Aktie auf neuem Allzeithoch

Die Telecom Italia (TI) hat am Mittwoch Abend ihren mehr als sechsjährigen Österreich-"Ausflug" beendet, der den Italienern unterm Strich einen Verlust von rund 400 Mio. Euro beschert hat. Italiens größter Telekomkonzern veräußerte den Restanteil von 14,8 Prozent an der Telekom Austria (TA) für 780 Mio. Euro in einem Rekordtempo an institutionelle Anleger. Durch den TI-Ausstieg erhöhte sich in der TA der free-float von 38 auf 52,8 Prozent: Die frühere Staatsmonopolbetrieb steht nun erstmals mehrheitlich im Privatbesitz. Die Aktie hat damit wieder "Fantasie" bekommen, der Kurs sprang im Handelsverlauf um gut 6 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 11,33 Euro.

"Meilenstein

TA-Generaldirektor Heinz Sundt sieht in der Transaktion einen "Meilenstein" für die TA-Gruppe. Die Art der neuen TA-Aktionäre, die wenig oder gar nicht dem spekulativen Bereich zuzurechnen seien, würden "Stabilität" in die TA-Gruppe bringen und für eine solide Aufstellung sorgen. Sundt zeigte sich heute "nicht unglücklich" darüber, dass die Partnerschaft mit den Italienern nach fünf Jahren nun beendet sei. Einen Wunsch bezüglich der künftigen Eigentümerstruktur der TA wollte Sundt heute nicht äußern.

"Sehr gutes" Signal

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat den raschen Verkauf des TA-Pakets durch die Italiener als ein "sehr gutes" Signal für die Verfassung des Marktes hinsichtlich des geplanten Verkaufs der TA-Anteile durch die Staatsholding ÖIAG bezeichnet. Grasser bekräftigte heute seine Vorgabe vom vergangenen Dezember, wonach bis zum Ende der Legislaturperiode 2006 die Telekom Austria vollständig zu privatisieren sei, dafür bestehe aber "kein Zeitdruck".

Die Staatsholding ÖIAG kann laut vereinbarter Behaltefrist ab 1. Juni 2004 weitere Schritte setzen, um ihr Aktienpaket von 47,2 Prozent entsprechend den gesetzlichen Vorgaben bis zur Gänze zu privatisieren.

Positiv

Die heimischen Analysten reagierten heute äußerst positiv auf den nun vollzogenen Rückzug der TI aus der TA. BA-CA, Erste Bank und RCB begrüßten vor allem die Erhöhung des Streubesitzes, die Kursziele wurden auf 13 bis 14 Euro erhöht. Der größere free-float bringt der Telekom Austria eine stärkere Gewichtung im Leitindex ATX von rund 15 auf 20 Prozent (gedeckelt). Die Anpassung erfolgt voraussichtlich am 22. März. "Wegen der höheren Liquidität der Aktie ist die TA jetzt für den einen oder anderen internationalen Investor, der große Blue-Chips macht, interessant", sagte ein Analyst der Deutschen Bank.

Eingestiegen war die TI bei der TA 1998 mit einer Sperrminorität, für damals umgerechnet knapp 16 Euro je Aktie bzw. 1,99 Mrd. Euro. Beim TA-Börsegang im November 2000 stockten die Italiener dann auf 29,8 Prozent auf. Im November 2002 warf der italienische Konzern bereits die erste Hälfte dieses TA-Pakets auf den Markt, wobei die TI damals aber nur 7,45 Euro je Aktie bzw. 559 Mio. Euro erlöste, gestern wurde der Restanteil für 870 Mio. Euro veräußert. Jetzt haben die restlichen 14,8 Prozent um immerhin 10,55 Euro je Aktie die Besitzer gewechselt. Bereits im Juni 1997 hatte sich die TI mit 25 Prozent und einer Aktie an der TA-Mobilfunktochter Mobilkom Austria beteiligt, dieser Anteil wurde aber bereits im Juni 2002 verkauft.

"Volksaktie"

Die TA notiert seit November 2000 an der Wiener Börse, ausgegeben wurden die Aktien damals zu einem Stückpreis von 9 Euro. Seither hat die "Volksaktie" nach mehrjähriger Berg- und Talfahrt rund ein Viertel zugelegt. (APA)

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