"Seselj trinkt Kaffee und bereitet Verteidigung vor"

22. Jänner 2004, 13:02
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Tribunalssprecher dementiert sich verbreitende Gerüchte über angeblichen Tod des Ultranationalisten in Den Haag

Belgrad/Den Haag - Die Meldung über den vermeintlichen Tod des serbischen Ultranationalistenführers Vojislav Seselj im Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag am Dienstagnachmittag hat sich in Belgrad wie ein Lauffeuer verbreitet. Wie heute, Mittwoch, mehrere serbische Printmedien berichteten, soll Seselj (51) einem Herzinfarkt erlegen sein. Der Tribunalssprecher Jim Landale bestritt dieses Gerücht indes entschieden.

"Niemand, auch nicht Seselj, ist im Tribunalsgefängnis gestorben. Das Letzte, was ich von ihm gehört habe, ist, dass er einen Kaffee trinkt und seine Verteidigung vorbereitet", erklärte Landale gegenüber der Tageszeitung "Glas javnosti".

Gemäß dem Blatt "Vecernje novosti" sei das Gerücht über den Tod des Ultranationalisten von einigen kroatischen Medien verbreitet worden.

Serbische Radikale Partei: Einschüchterungsversuch

"Jemand versucht, uns einzuschüchtern, aber es wird ihm nicht gelingen", erklärte der Vizevorsitzende der Serbischen Radikalen Partei (SRS), Tomislav Nikolic, gegenüber dem Boulevardblatt "Balkan". Der Politiker sagte weiters, er wisse allerdings nicht, ob es sich um eine Aktion von politischen Gegnern gehandelt habe.

Der wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien und der Vojvodina angeklagte Seselj hatte sich Ende Februar des Vorjahres freiwillig dem UNO-Kriegsverbrechertribunal gestellt.

Tribunal verhängte Kontaktverbot

Nachdem sowohl Milosevic als auch Seselj an der vorgezogenen serbischen Parlamentswahl Ende Dezember teilnehmen wollten, hatte das Tribunal Anfang Dezember ein einmonatiges Verbot von Kontakten der zwei Angeklagten mit der Außenwelt - Familie, Anwälte und Diplomaten ausgeschlossen - verhängt. Das Verbot wurde Anfang Jänner um ein weiteres Monat verlängert.

In der Causa Seselj soll zuletzt auch die Familie keinen Besuchstermin mehr bekommen haben. Es ist nicht auszuschließen, dass auch dies ein Grund für das Todesgerücht sein könnte. (APA)

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    "Niemand, auch nicht Seselj, ist im Tribunalsgefängnis gestorben", dementierte der Tribunalssprecher anderslautende Gerüchte

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