Harter Schlagabtausch zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses

22. Jänner 2004, 12:28
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In Düsseldorf begann das spektakulärste Wirtschaftsstrafverfahren Deutschlands

Mit einem hartem Schlagabtausch zwischen der Staatsanwaltschaft und den angeklagten Managern hat das spektakulärste Wirtschaftsstrafverfahren in der Geschichte Deutschlands begonnen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte am Mittwoch im Düsseldorfer Landgericht beim Auftakt des Mannesmann-Prozesses: "Das ist das einzige Land, wo die, die erfolgreich Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen."

Käuflichkeit der Manager

Der frühere Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk prophezeite, der Prozess werde die Thesen der Staatsanwaltschaft über die Käuflichkeit der Manager und ihre unrechtmäßige Bereicherung widerlegen. Auch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser betonte, er habe sich korrekt verhalten und sprach von einer "Kampagne" gegen die Manager.

Ackermann, Esser, Funk und Zwickel

Auf der Anklagebank im Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts sitzen neben Ackermann, Esser und Funk der ehemalige IG Metall-Chef Klaus Zwickel sowie zwei weitere Manager. Staatsanwalt Johannes Puls warf den Managern bei der Verlesung der Anklage "gemeinschaftliche Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu vor. Sie sollen die 180 Mrd. Euro teure Übernahme des Technologiekonzerns durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 benutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Mio. Euro zuzuschieben.

"Unrechtmäßige Bereicherung"

Esser und Funk seien bereits am 31. Jänner 2000 - unmittelbar bevor Mannesmann seinen Widerstand gegen die Übernahme aufgab - übereingekommen, "sich auf Kosten der Mannesmann AG unrechtmäßig zu bereichern", sagte Puls. Funk und Esser hätten deshalb noch am 4. Februar 2000 einen Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums veranlasst, der zusätzlich zu den normalen Abfindungen Prämien von rund 63 Mio. DM (32,2 Mio. Euro) umfasste. Esser seien so "innerhalb weniger Minuten" Anerkennungsprämien von 31,5 Mio. DM zugesagt worden. "Funk billigte sich selbst rund 9 Mio. Mark zu", sagte Puls. Der einzige Grund für die Bonuszahlungen sei die Befürwortung einer freundlichen Übernahme gewesen.

Grünes Licht für Millionenzahlung

Ackermann, Funk, Zwickel und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg hätten als Aufsichtsratsmitglieder wider besseres Wissen grünes Licht für die Millionenzahlung gegeben und sich damit der Untreue schuldig gemacht, sagte der Staatsanwalt. Dies gelte auch für Zwickel, der sich der Stimme enthalten habe. "Denn er hätte die Auszahlung verhindern können und müssen, indem er den Umlaufbeschluss nicht unterzeichnete." Auch die damals gewährten Pensionsabfindungen von rund 61 Millionen an Ex-Vorstände beziehungsweise deren Hinterbliebene seien "mindestens in der Höhe, wenn nicht insgesamt, unrechtmäßig."

Scharfe Kritik

Die Anklage stieß auf scharfe Kritik der Verteidiger. Esser-Anwalt Sven Thomas rügte vor allem, dass die Staatsanwaltschaft trotz anders lautender Beschlüsse der Wirtschaftsstrafkammer offenbar am Vorwurf der Käuflichkeit gegen seinen Mandanten festhalte. "Für die Hygiene dieses Verfahrens ist es von großer Bedeutung, dass dieser Vorwurf hier vom Tisch kommt."

Esser zeigte sich trotzdem zuversichtlich: "Ich werde nicht die Einstellung des Verfahrens beantragen, weil ich mich sehr korrekt verhalten habe und wir jetzt hier sind, um das festzustellen", sagte er. Auch Funk betonte, er "vertraue in den deutschen Rechtsstaat".

Der Prozess soll am Donnerstag mit den Einlassungen der Angeklagten zur Sache fortgesetzt werden.(APA/AP)

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    Der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser verlässt am Mittwoch das Düsseldorfer Landgericht nach Ende des ersten Verhandlungstages.

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