Trenkwalder analysiert Tücken der Streif

24. Jänner 2004, 09:30
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"Da kommt der Läufer nicht zum atmen" - Mausefalle, Steilhang, Hausbergkante & Co. verlangen den Skiartisten alles ab

Kitzbühel - Der Ritt hinunter auf der Streif gilt als Ritterschlag für jeden Ski-Rennläufer. Auf der berühmtesten Abfahrtsstrecke der Welt werden am Donnerstag und Samstag wieder neue oder bereits alt bewährte Helden gekürt. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h und bis zu 80 Meter weiten Sprüngen wird den besten Speed-Spezialisten der Welt alles abverlangt: Dynamik, Technik, perfektes Timing und Mut. ÖSV-Abfahrtscoach Robert Trenkwalder hat die Schlüsselstellen der Streif analysiert und erklärt.

STARTSCHUSS, MAUSEFALLE: Nach dem steil abfallenden Startschuss folgt die berühmtberüchtigte Mausefalle, die die Läufer zu Sprüngen zwischen 50 und 80 m zwingt.

Trenkwalder: "Heuer wieder stark verschärft mit sehr weitem Sprung. Es scheint so, als ob die Mausefalle wieder wirklich eine Mausefalle ist. Vom Start bis zur Ausfahrt Steilhang kommt der Läufer nicht einmal zum atmen. Er muss in jeder Kurve schauen, dass er sie überlebt."

KOMPRESSION: Der Übergang setzt enorme Fliehkräfte frei.

Trenkwalder: "Wer in der Mausefalle zu weit springt hat Probleme, dass er unten in der Kompression zurecht kommt, da sofort eine starke Richtungsänderung nach links folgt. Diese Richtungsänderung ist entscheidend für das anschließende "U-Hakerl", eine 180-Grad-Kurve, die zur Einfahrt Steilhang führt."

STEILHANG: Der Steilhang zählt zu den technischen Gustostückerln im Weltcup-Zirkus. Das "Karussell" als S-Kurvenkombination und der lang gezogene Rechtsschwung können entscheidend sein.

Trenkwalder: "Hier muss man schön auf der Linie bleiben, um die Steilhang-Ausfahrt ideal zu erwischen. Optisch kommen dem Fahrer die Sicherheitszäune und Matten rasend schnell entgegen, der Läufer muss aber trotzdem den nötigen Speed ins Flache hinaus mitnehmen."

BRÜCKENSCHUSS: Hier sind Gleitvermögen, Kondition und ein schneller Ski gefragt.

Trenkwalder: "Im Brückenschuss ist entscheidend, dass man Supermaterial hat, dort muss der Ski laufen. Am Ende des Flachstückes springt man in die "Alte Schneise" hinein, wo die Anfahrt zum Seidlalmsprung wartet.

SEIDLALMSPRUNG: Dieser Sprung ergänzt seit 1994 den Mittelteil.

Trenkwalder: "Nach dem Seidlalmsprung muss man sofort konzentriert eine Rechtslinks-Kombination meistern, um im etwas flacheren Lärchenschuss die Geschwindigkeit hinaus Richtung Oberhausberg zu nehmen."

HAUSBERGKANTE: Hier beginnt das "Grande Finale" - ein Sprung und ein schwieriger Linksschwung über eine große Bodenwelle.

Trenkwalder: "Dort beginnt die Streif noch einmal von Neuem, weil es konditionell für die Läufer schon sehr schwierig wird. Nach dem Sprung über die Hausbergkante folgt eine starke Richtungsänderung in der Kompression nach links. Hier entscheidet sich, ob man die Querfahrt annähernd passabel erwischt. Da kann man das Rennen verlieren, aber auch gewinnen."

QUERFAHRT, ZIELSCHUSS: Es werden Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreicht. Die tausenden Fans im Zielraum lassen die letzten Kräfte frei werden.

Trenkwalder: "Man braucht noch einmal richtig Speed und die letzte Kraft. Im Zielschuss muss der Läufer höchst konzentriert sein, da geht es mit enormer Geschwindigkeit wie im freien Fall hinunter."

Die technischen Daten der Streif:

Start: 1.665 m
Ziel: 805 m
Höhendifferenz: 860 m
Streckenlänge: 3.312 m
Durchschnittliche Neigung: 27 %
Maximale Neigung: 85 %
Minimale Neigung: 2 %

  • Die Streif in der Analyse.

    Die Streif in der Analyse.

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