Villach: Drogen im Kaffee der Polizei

21. Jänner 2004, 18:48
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Polizisten belasten Kollegen schwer - auch schwere Misshandlung eines Gefangenen wird neu aufgerollt

Klagenfurt - Vertagt wurde am Mittwoch die Fortsetzung des Prozesses gegen einen Villacher Polizisten.

Der 36-Jährige hatte teilweise gestanden, seinen Kollegen Beruhigungsmittel in den Kaffee gemischt zu haben, bei der ersten Verhandlung hatte er noch auf unschuldig plädiert.

Kollegen belasteten Polizisten

Kollegen belasteten den wegen schwerer Körperverletzung Angeklagten in ihren Zeugenaussagen. Die Verteidigung wartete mit einer Entlastungszeugin auf. Richterin Gabriele Wietrzyk vertagte am Nachmittag die Verhandlung. Gegen den Polizisten wird auch in einer zweiten Causa ermittelt, er soll in einen Übergriff im Villacher Polizeigefangenenhaus vor sieben Jahren verwickelt sein.

Unerklärliche Müdigkeit

Ein Jahr lang hatten Beamte im Wachzimmer Landskron der Villacher Polizei regelmäßig über unerklärliche Müdigkeit, Sehstörungen und Übelkeit geklagt. Die Beschwerden traten immer dann auf, wenn Kaffee getrunken wurde und der nun angeklagte Kollege im Dienst war. Am 20. Juni 2003 flog die Geschichte auf, weil einer der Polizisten einen Arzt aufsuchte. Bei einer Blutuntersuchung wurden Spuren von Drogen und Medikamenten gefunden.

Der Polizist wurde als mutmaßlicher Täter ausgeforscht, bei der ersten Verhandlungsrunde bekannte sich der Polizist nicht schuldig. Er habe lediglich Beruhigungsmittel für sich selbst im Kaffeeautomaten appliziert. Er habe das Mittel von einem Arzt verschrieben bekommen. Bei der Fortsetzung der Verhandlung erklärte er, in vier Fällen das Medikament "Nozinam" in den Kaffee für seine Kollegen gemischt zu haben. Warum diese fast ein Jahr lang über Beschwerden geklagt hatten, könne er nicht erklären, sagte er.

Spuren von Beruhigungsmittel

Er habe lediglich wissen wollen, ob das Beruhigungsmittel, das ihm sein Arzt verschrieben hatte, bei anderen Personen wirke, da es bei ihm selbst keinerlei Resultat gezeigt habe. Ungeklärt ist bis dato auch, weshalb Kollegen auch Spuren anderer Beruhigungsmittel im Blut hatten, obwohl sie vor Gericht beteuerten, niemals welche eingenommen zu haben.

Zweifelhafte Aussagen

Die Verteidigung wartete mit einer Entlastungszeugin auf. Die Frau, die im Wachzimmer öfters Kaffee getrunken hatte, da sie die Beamten mit Speisen belieferte, erklärte, ein Polizist habe ihr telefonisch nahe gelegt, auszusagen, dass ihr vom Kaffee ebenfalls schlecht geworden sein. Dies würde ihr "Vorteile einbringen". Der derart Beschuldigte sprach von "einer totalen Lüge". Am Nachmittag wurde das Verfahren zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt, auch einige Gutachten sind noch ausständig. Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Übergriffe im Gefängnis

Offen ist auch noch, was in der Causa eines Übergriffes im Villacher Polizeigefangenenhaus, in das der Beschuldigte mit einem Kollegen ebenfalls verwickelt gewesen sein soll, weiter geschieht. Im Dezember 1996 war der damals 27-jährige Ewald St. in der so genannten "Tobzelle" mit einem lebensgefährlichen Schädel-Hirn-Trauma aufgefunden worden.

60 bis 70 Schläge

Da der ehemalige Gefangene mittlerweile zum Invaliden wurde (organisches Psychosyndrom als Dauerfolge), brachte er eine Zivilklage gegen die Republik Österreich ein. In zweiter Instanz wurden ihm im Zuge eines Vergleichs 20.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Im Prozess war ein im Strafverfahren nicht bekannter Zeuge aufgetaucht, der angab, die damaligen Vorfälle mitbekommen zu haben. Er sprach von "60 bis 70 Schlägen", die Ewald St. abbekommen habe.

Ein erstes Verfahren wurde 1997 eingestellt, nun hat die Staatsanwaltschaft die Sicherheitsdirektion erneut mit Erhebungen beauftragt. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft, ob das Verfahren gegen die beiden damals beteiligt gewesenen Polizisten wieder aufgenommen wird. (APA)

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