Indien kauft russischen Flugzeugträger

23. Jänner 2004, 12:44
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Marinekommandeur: Ankauf ändert die Lage in der Region völlig - Lieferung 2008

Neu-Delhi/Wien - Nach fast zehnjährigen Verhandlungen mit Moskau hat die indische Regierung am Dienstag einen Flugzeugträger der russischen Armee samt Kampfflugzeugen und Hubschraubern gekauft: Der russische Verteidigungsminister Sergeij Iwanow und sein indischer Kollege George Fernandes unterzeichneten in Neu-Delhi den Kaufvertrag für die "Admiral Gorshkow", ein 44.000-Tonnen-Schiff, das die Sowjetunion 1988 in Dienst gestellt hatte.

Indien zahlt für den modernisierten Flugzeugträger nach russischen Angaben 1,5 Milliarden Dollar. In den Kaufpreis eingeschlossen ist auch die Lieferung von 28 MiG-29-Kampfflugzeugen sowie sechs Hubschraubern zur U-Boot-Bekämpfung. Das Rüstungsgeschäft zählt damit zu den größten Verträgen seit dem Abschluss des militärtechnischen Kooperationsabkommen zwischen Indien und der Sowjetunion von 1962, in der Hochzeit des Kalten Krieges.

Die indische Armee hat mit der "Gorshkow" zudem ihren dritten großen Waffenkauf innerhalb von fünf Monaten getätigt: Vergangenen September billigte die Regierung den Kauf britischer Hawk-Trainerjets für 1,7 Milliarden Dollar, im Oktober genehmigte sie den Kauf eines israelischen Radarsystems für eine weitere Milliarde Dollar. Den "neuen" Flugzeugträger bezeichnete der Kommandeur der indischen Marine, Madhvendra Singh, als "sehr, sehr mächtiges Schiff", das die Lage "in unserer Region vollständig ändern wird".

Der Kauf der "Gorshkow" erscheint unter militärischem Gesichtspunkt auf den ersten Blick als spektakulär, zumal alle anderen großen Seemächte in Asien - China, Japan, Pakistan - keine Flugzeugträger besitzen. Tatsächlich aber wird die "Gorshkow" erst nach dem Ende der Umbauarbeiten voraussichtlich 2008 an Indien geliefert. Dann soll auch der bisherige veraltete Flugzeugträger "Viraat" aus früheren britischen Beständen außer Dienst gestellt werden.

Veraltete "Achse"

Gleichwohl markiert das Rüstungsgeschäft eine Stärkung der indisch-russischen Beziehungen, die eine Konstante in der Ära des Kalten Krieges waren, im Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aber zum Stillstand kamen. Für Neu-Delhi hatte sich Moskau einst als großer strategischer Verbündeter gegen den US-Alliierten Pakistan und China angeboten, gegen das Indien zwei Grenzkriege führte. Ihr Bündnis besiegelten Indien und die Sowjetunion 1971 mit einem "Friedens-, Freundschafts- und Kooperationsvertrag".

Statt in "Achsen" denken die regionalen Mächte in Südasien heute weit mehr in Kategorien der "Multipolarität": Indiens Premier Vajpayee besuchte 2003 Peking, Pakistans Staatschef Musharraf Moskau - und gute Beziehungen zu den USA möchten sie alle. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2004)

von Markus Bernath
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