Die "Kobra" hat übernommen

22. Jänner 2004, 13:28
15 Postings

Susanne Riess-Passer entwickelt als neue Wüstenrot-Chefin die Bauspar-Idee weiter: das Bildungssparen für Jung und Alt

Wien - Die seit 1. Jänner offiziell amtierende Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer sagt den Konkurrenten den Kampf an: "Wir werden an Marktanteile gewinnen und wieder an Raiffeisen und die S-Bausparkasse anschließen", kündigte Riess-Passer im STANDARD-Gespräch an. Zu schaffen macht Wüstenrot vor allem die Überliquidität: Denn den 3,8 Mrd. Euro Spareinlagen stehen nur drei Mrd. Darlehen gegenüber. Der Marktanteil bei der Finanzierung sackte im Vorjahr von zuletzt 19 auf 15 Prozent. Die gesamte Finanzierungsleistung ging gar von 405 Mio. Euro auf 304 Mio. Euro zurück.

Wüstenrot stärker positionieren

Riess-Passer Ziel ist es, Wüstenrot bei der Finanzierung wieder stärker zu positionieren, von der Werbelinie bis zum Vertrieb. "Wir haben Finanzierungsprofis ausgebildet, Experten, die sich nur mit der Finanzierung beschäftigen und den Kunden Alternativmodelle rechnen, also ein Allround-Service bieten." Forcieren will Wüstenrot auch wieder den großvolumige Wohnbau, "da waren wir in den letzten Jahren nicht sehr präsent". Bis zum Sommer sollte auch die Fusion mit der zur Bawag/ PSK-Gruppe gehörenden Bausparkasse LBA abgeschlossen sein, wodurch Wüstenrot einen zusätzlichen Vertriebsweg bekommt.

An eine Änderung oder gar Kürzung der Bausparförderung glaubt die ehemalige Vizekanzlerin nicht, vielmehr könnte die Bauspar-Idee in Richtung "Bildungssparen", wie es auch in der Regierungserklärung enthalten ist, erweitert werden. "Ich kann mir vorstellen, im Bereich des Bildungssparens etwas zu machen, weil sich die Arbeitsverhältnisse verändert haben und Weiterbildung ein ganz starkes Thema ist." So könnte für die Ausbildungskosten der Kinder vorgesorgt werden. Dasselbe gelte für die Weiterbildung von Erwachsenen, zumal die Firmen heute nicht mehr automatisch die Aus-und Weiterbildungskosten bezahlen. Mit Vertretern der Regierung habe sie über das Bildungssparen bereits gesprochen.

HVB-Aktien keine heißen Kartoffeln

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag im Vorjahr bei 15 Mio. Euro, ähnlich wie 2002. Ein Wermutstropfen war der Wertberichtigungsbedarf von 50 Mio. Euro für die zwei Mio. HypoVereinsbank-Aktien im Jahr 2002. Als heiße Kartoffel will Riess-Passer die HVB-Aktien nicht bezeichnen. Das sei zwar nicht erfreulich, "aber es spricht auch für Wüstenrot, dass uns die Wertberichtigung nicht im Kern belastet". "Viel wichtiger" sei ihr "die Partnerschaft mit der BA-CA", die im Vorjahr 37.000 der insgesamt 207.000 Wüstenrot-Verträge verkaufte. Riess-Passer wurde Anfang 2003 von ihrem Vorgänger, dem ehemaligen Salzburger SP-Chef Wolfgang Radlegger, zu Wüstenrot geholt. Ob ihr die Steuerreform ihres Exparteikollegen Karl-Heinz Grasser etwas bringt? Riess-Passer: "Keine Frage, sie wird uns etwas bringen." Wie viel, steht noch nicht fest. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 21.1.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Susanne Riess-Passer geht nicht davon aus, dass die Bausparförderung gekürzt wird - Das wäre an die fünf Millionen Bausparer "ein ganz falsches Signal"

Share if you care.