Uni Wien: Rektor Winckler getortet

22. Jänner 2004, 12:35
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Studenten protestieren gegen umstrittenen Organisationsplan - Auch Sektionschef Höllinger getroffen - Tortenwerfer festgenommen

Wien - Bei einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend sind der Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, sowie der für die Hochschulen im Bildungsministerium zuständige Sektionschef Sigurd Höllinger von Studenten mit Torten beworfen worden. Außerdem taten die Studenten ihren Unmut über die Universitätsreform und den Neuen Organisationsplan der Universität Wien mit "Kampfklatschen" und Protestliedern kund. Ein Tortenwerfer wurde laut APA von der bei der Veranstaltung anwesenden Polizei festgenommen.

"Kampfklatschen"

Zunächst verlief die Veranstaltung - abgesehen von einigen Transparenten - planmäßig. Erst, als Höllinger das Wort ergreifen wollte, eskalierte die Situation. Die Studenten begannen frenetisch zu klatschen und mit "Bravo, Sigurd"- und "Zugabe"-Rufen die Ausführungen Höllingers zu verhindern. Als sich der Trubel gerade legte, stürmten zwei Personen das Podium und bewarfen Höllinger und Winckler mit Torten. Die von der SPÖ-Zukunftswerkstätte veranstaltete Diskussion wurde daraufhin abgebrochen. Eine Videoaufzeichnung des Tortenwurfs findet sich auf der Homepage von "UTV - Das Unabhängige Fernsehen".

ÖH distanziert sich

Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) distanziert sich von dem Torten-Wurf gegen Georg Winckler und Sigurd Höllinger. "Diese Aktion war absolut überflüssig", betonte ÖH-Chefin Patrice Fuchs. Auf der anderen Seite müsse man aber auch sehen, dass - "wenn wie bei der Uni-Reform gesetzliche Gewalt angewendet wird" - der Unmut sich so aufschaukle, dass es zu Aktionen kommen könne.

Broukal: Studenten sind verzweifelt

Ebenfalls verurteilt wurde der Torten-Wurf von SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal. An der Aktion könne man sehen, wie verzweifelt die Studenten seien - "das entschuldigt das aber in gar keiner Weise". Der Angriff sei gerade zu einem Zeitpunkt erfolgt, da Winckler Entgegenkommen signalisiert habe. Kritik übte er am Universitätsgesetz 2002: "Die Regierung macht solche Gesetze, und dann werden ausgerechnet Leute wie Winckler dafür geprügelt."

Die Vorsitzende des mit veranstaltenden Verbandes Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), Andrea Brunner, betonte ebenfalls, dass der Torten-Wurf von der Hochschülerschaft nie geplant gewesen sei. Man habe den Protest auf Singen und Klatschen beschränken wollen.

Zuletzt hatte es vor fast vier Jahren - im April 2000 - eine "Torten-Attacke" gegen den damaligen Wiener FPÖ-Chef Hilmar Kabas gegeben. Während eines TV-Interview für den ORF war ein Unbekannter von hinten an Kabas herangetreten und hatte dem FPÖ-Mann eine Schokoladetorte ins Gesicht drückt. (red/APA)

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    foto: utv
  • Mit welchen Konsequenzen der verhaftete Tortenwerfer zu rechnen hat, ist noch unklar. (Fotos: "UTV - Das Unabhängige Fernsehen")
    foto: utv

    Mit welchen Konsequenzen der verhaftete Tortenwerfer zu rechnen hat, ist noch unklar. (Fotos: "UTV - Das Unabhängige Fernsehen")

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