Steirische "Sexaffäre": 30 Fragen an Klasnic

21. Jänner 2004, 19:38
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Dringliche Anfrage von Rot, Blau und Grün

Graz - Der Sexskandal um einen der höchsten Landesbeamten der Steiermark und dessen sang- und klanglose Versetzung - ohne Anzeige oder Disziplinarverfahren - lässt das Land nicht zur Ruhe kommen. Am Dienstag musste sich Landeshauptmann Waltraud Klasnic (VP) einer dringlichen Anfrage von FP, SP und Grünen stellen, in der 30 Fragen zu dem Fall, der in immer mehr Details für Aufsehen sorgt, formuliert sind.

Anfang Jänner war durch Medienberichte publik geworden, dass eine Sekretärin im Landesdienst nach mehrmonatigen sexuellen Übergriffen und Drohungen ihres Vorgesetzten sowohl den betreffenden Abteilungschef Manfred Lind als auch Landesamtsdirektor Gerhart Wielinger und Landeshauptmann Waltraud Klasnic um Hilfe gebeten hatte. In der Folge wurde die Frau zur Gleichbehandlungsbeauftragten des Landes, Ingrid Jauk, geschickt. Schließlich wurde sie noch im Herbst 2003 versetzt, "um aus dem Schussfeld zu kommen", wie Jauk betonte.

Täter zu Opfer versetzt

Der mutmaßliche Täter wurde mit 1. Jänner unter Beibehaltung der vollen Bezüge vom Protokollchef des Landes zum "einfachen Referenten" des Landesarchivs degradiert. Dort war zuvor auch die Sekretärin gelandet. Sie befindet sich jetzt im Krankenstand.

Ein Disziplinarverfahren gegen den Mann wurde nie eingeleitet. Das Opfer habe keine weitere Verfolgung des Falles gewünscht, erklärte Klasnic.

Der Schutz der Frau habe für sie im Vordergrund gestanden, sagte Klasnic am Dienstag. Strafrechtlich könnte das anders bewertet werden: Nötigung oder Drohung sind Tatbestände, die auch ohne Ermächtigung des Opfers untersucht und sogar zu Anzeige gebracht werden müssen.

Wie der STANDARD berichtete schaltete sich aus diesem Grund nach Bekanntwerden des Skandals auch die Staatsanwaltschaft ein.

Mehr Verdächtigungen

Rot, Blau und Grün wollten in ihrer Anfrage unter anderem wissen, ob der Mann tatsächlich verdächtigt werde, weitere sexuelle Übergriffe im Landesdienst begangen zu haben. Weiters wurde nach der Personalfluktuation in der betreffenden Dienststelle - vor allem hinsichtlich der Mitarbeiterinnen des mutmaßlichen Täters - gefragt.

Ein SP-Antrag forderte außerdem Richtlinien zur Behandlung künftiger sexueller Übergriffe im Landesdienst, ein FP-Antrag die Untersuchung der Mittäterschaft im aktuellen Fall. Beide Anträge wurden vom Landtag angenommen. (DER STANDARD, Printausgabe 21.01.2004)

Von Colette M. Schmidt
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