Der Wurm im Safaripark

21. Jänner 2004, 21:15
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Wenn es um hilflose Tiere geht, geht es auch um Gefühle - und die machen bekanntlich Druck

Wenn es um hilflose Tiere geht, geht es auch um Gefühle - und die machen bekanntlich Druck. Und so rangen (Ex)geschäftsführung und mögliche Retter bis zum Konkursantrag des Gänserndorfer Safariparks am Montag vordergründig um das Schicksal der Kreatur, während hinter den Kulissen eifrig gerechnet und taktiert wurde.

"Drohung mit der Tötung der Tiere"

Den Anfang machte die nunmehr gescheiterte Geschäftsführung in den nachrichtenarmen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr mit dem Hinweis, ein Konkursantrag könne den Tod der Tiere bedeuten. Eine Ankündigung mit Schreckenswirkung, aus der ein Baxter-Unternehmenssprecher - durch Vorwürfe, dem Safaripark für die Unterbringung ehemaliger Versuchsschimpansen zu wenig Geld zur Verfügung gestellt zu haben, verärgert - flugs eine "Drohung mit der Tötung der Tiere" vonseiten der Geschäftsführung machte. Von da an dauerte es nicht lange, bis sich Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll zum Ordnungsschaffer aufschwang. Den Tieren werde natürlich nichts geschehen, dafür stehe er gerade.

Die Runde möglicher Sanierer

Am Montag standen dann er und die "Retter" Gewehr bei Fuß: Nur drei Stunden nach dem Konkursantrag trat die Runde möglicher Sanierer in Prölls Büro zusammen. Eine Weiterführung des Unternehmens würde sie jetzt auch um einiges billiger kommen als zuvor. Seit der Masseverwalter in Gänserndorf das Sagen hat, werden Löhne und Gehälter - ausständige oder aktuell zu zahlende - von Insolvenzausgleichsfonds übernommen. Zudem ist es bekanntlich Ziel eines Insolvenzverfahrens, das Unternehmen zu entschulden: Freie Bahn alsdann für neue Macher, die sich noch dazu als Tierretter profilieren konnten. Dabei zeigt sich an dieser Affäre vor allem eines: Ein guter Tierfreund ist einer, der sich im Insolvenzrecht auskennt. (DER STANDARD; Printausgabe, 21.1.2004)

Von Irene Brickner
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