Ohrfeigen für Arbeit mit Migranten

22. Jänner 2004, 12:43
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Linzer Integrationsmitarbeiterin attackiert

"Mit den wöchentlichen Beschimpfungen, den ausländerfeindlichen Parolen und den rassistischen Briefen haben wir bereits notgedrungen leben gelernt - jetzt spitzt sich die Lage aber anscheinend immer mehr zu", ist Rubia Maierhofer-Salgado vom Linzer "Autonomen Integrationszentrum von und für Migrantinnen" ("maiz") verzweifelt.

Vergangene Woche folgte den verbalen Angriffen nämlich auch erstmals eine körperliche Attacke. "Eine Mitarbeiterin von uns wurde von einer Passantin, die plötzlich in unser Zentrum stürmte, wüst beschimpft und beleidigt, dann ohrfeigte die ältere Dame meine Kollegin", erzählt Maierhofer-Salgado. Den Anruf bei der Polizei nützte die rabiate Passantin um unerkannt zu entkommen.

Keine Anzeige

Die Exekutivbeamten seien zwar gekommen, "Anzeige wurde aber - wie auch schon bei früheren Vorfällen - keine aufgenommen und es wurden auch sonst keine Amtshandlungen in die Wege geleitet", kritisiert Maierhofer-Salgado. Bis jetzt immer mit der Begründung "gegen die persönlichen Angriffe sei nur mit zivilrechtlichen Klagen vor Gericht vorzugehen". Der aktuelle Fall mit der Ohrfeige sei aber ein "klar strafrechtlicher Tatbestand".

Vonseiten der Linzer Polizei gab es am Dienstag zu den Vorfällen noch keine Stellungnahme. Den Grund für den tätlichen Übergriff vermutet die Migrantinnensprecherin in einem "kulturpolitischen Projekt unter dem Titel ,Gleiche Privilegien für alle', das derzeit in unserer Schaufenstergalerie ausgestellt wird und unter anderem auch politische Forderungen von Migrantinnen enthält".

Beschimpfungen wie ,Stinkende Ausländer' gehörten leider bereits zum Alltag, jetzt sogar noch Ohrfeigen für Mitarbeiter - man sei an einem Punkt angelangt, sagt Maierhofer-Salgado, "wo endlich etwas vonseiten der Polizei und der Politik passieren muss". (mro/DER STANDARD; Printausgabe, 21.1.2004)

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