Heim statt Häfen für Jugendliche

21. Jänner 2004, 18:47
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"Fall Viorel" vor OGH und bald in Straßburg

Wien – Die Häufigkeit, mit der derzeit gegen Jugendliche mit ausländischem Pass Untersuchungshaft ausgesprochen wird, sei mit ein Grund für die Überfüllung der heimischen Gefängnisse, ist Günter Harrich überzeugt. Gegen diesen "Missstand" – delinquente Minderjährige sollten stattdessen von der Jugendwohlfahrt in einem Heim betreut werden, meint der Wiener Rechtsanwalt – will er "bis zum Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg" ziehen.

Anlass dazu gibt ihm die Inhaftierung des 14 Jahre alten Rumänen Viorel nach Ladendiebstählen im Wert von 57,34 Euro im vergangenen August. In seiner Zelle im Wiener Landesgericht war Viorel von drei jugendlichen Mithäftlingen vergewaltigt worden, die Täter wurden (der STANDARD berichtete) mittlerweile verurteilt.

Gelindere Mittel als die U- Haft habe es im Fall Viorel nicht gegeben, befand das Oberlandesgericht Wien in Beantwortung einer Haftbeschwerde Harrichs. Der bringt dieser Tage eine Grundrechtsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof ein. Wie kurz nach der Ostöffnung, als der OGH das exzessive In-U-Haftsetzen junger Ladendiebe aus den Nachbarstaaten als nicht rechtgemäß erkannte, gehe es auch jetzt um ein höchstgerichtliches "Signal": dass ausländische jugendliche Delinquenten "nicht automatisch hinter Gitter wandern sollen". (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.1.2004)

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