Israelische Luftwaffe greift Ziele im Südlibanon an

22. Jänner 2004, 06:16
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Bombardements als Vergeltungsaktion für Angriff vom Vortag - Libanesische Kreise: Keine Verletzten

Washington/Jerusalem - Israelische Kampfflugzeuge haben am Dienstag Einrichtungen der Organisation Hisbollah im Süden Libanons angegriffen. Wie libanesische Sicherheitskreise am Dienstag mitteilten, gab es dabei aber keine Verletzten. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte waren die Raketenangriffe eine Reaktion auf einen Grenzvorfall vom Montag, bei dem ein israelischer Soldat ums Leben kam. Hisbollah-Kämpfer hatten eine Panzerabwehrrakete auf eine israelische Planierraupe abgeschossen, die Sprengstoff räumte. US-Außenminister Colin Powell verurteilte den Granatenangriff der Hisbollah am Dienstagabend scharf.

Wie die israelische Regierung machte auch Powell indirekt Syrien für den Vorfall mitverantwortlich. Die Regierung in Damaskus müsse die Unterstützung für Terrorgruppen beenden, sagte Powell auf einer Pressekonferenz in Washington. Dazu gehöre auch, Waffenlieferungen über syrisches Territorium zu unterbinden und Führern militanter Organisationen in Damaskus nicht länger Zuflucht zu bieten. Allerdings müsse auch Israel seine Handlungen sorgfältig prüfen, sagte Powell.

Zuvor hatten bereits Außenminister Silvan Shalom und Verteidigungsminister Shaul Mofaz Syrien beschuldigt, hinter den Angriffen der Hisbollah zu stehen. "Wenn (der syrische) Präsident meint, er könne die Hisbollah als verlängerten Arm im Kampf gegen uns einsetzten, sollte er mit einer deutlichen Antwort rechnen", sagte Shalom am Dienstag. Mofaz sprach von einer "Provokation durch Syrien".

Der syrische Botschafter in Washington, Imad Mustapha, wies die Vorwürfe am Dienstag zurück. "Bringen Sie mir Beweise, dass irgendeine Operation von Damaskus aus geplant wurde", forderte er auf einer Pressekonferenz. Zwar hätten mehrere Gruppen in der Vergangenheit Büros in der syrischen Hauptstadt unterhalten, diese seien aber von der Regierung geschlossen worden.

Die Hisbollah hatte den Granatenangriff am Montag damit begründet, dass das israelische Militärfahrzeug die Grenze nach Libanon überquert habe. Ein israelischer Militärkommandeur räumte am Dienstag ein, "Teile des Fahrzeuges" hätten libanesisches Territorium erreicht. Die israelischen Kampfjets schossen nach libanesischen Angaben drei Raketen auf Hisbollah-Stützpunkte nahe den Dörfern Sebkin und Vadi ab, die zehn Kilometer nördlich der israelischen Grenze liegen.

Eine israelische Militärsprecherin erklärte, es handle sich um Hisbollah-Stützpunkte, von denen aus Angriffe gegen Israel verübt worden seien. Unterstützt vom Iran und von Syrien verletze die Terrorgruppe Vereinbarungen. Die libanesische Regierung schließe davor die Augen. Von einem Schlag gegen Syrien sei abgesehen worden, um die angespannte Situation nicht weiter zu verschärfen.

Nach Auffassung der Vereinten Nationen hat die am Montag von einer Rakete der Hisbollah-Miliz getroffene israelische Planierraupe libanesisches Territorium verletzt. Nach ihren Untersuchungen könne die UNO-Mission UNIFIL feststellen, dass sich der israelische Bulldozer auf libanesischem Gebiet befand, als er getroffen wurde, sagte ein Sprecher der UNO-Interimstruppen im Libanon (UNIFIL) am Dienstag in Beirut. "Er hat die blaue Linie überschritten", sagte er in Bezug auf die Grenze, die nach dem Ende der 22-jährigen israelischen Besatzungszeit im Südlibanon im Mai 2000 von der UNO festgelegt worden war. (APA/AP/dpa)

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