Geschockte bayrische Staatsoper

25. Jänner 2004, 18:37
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Intendant Jonas erschrocken über Sparbeschluss: Einsparungen von 3,2 Mill. Euro "bei allen Anstrengungen nicht leistbar"

München - Der Bayerischen Staatsoper stehen nach Angaben von Intendant Sir Peter Jonas schwere Zeiten bevor. "Der Sparbeschluss kam wie ein Schock", sagte Jonas. Vor allem die Höhe der Einsparungen habe das Haus schmerzhaft getroffen. "Wir waren vielleicht in der Vergangenheit zu kooperativ", meinte Jonas, der an diesem Donnerstag (22. Jänner) mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München ausgezeichnet wird.

Bühne sei im Vergleich überproportional von Sparpaket betroffen

Im Vergleich zu den anderen Staatstheatern sei die Staatsoper von dem Sparpaket mit 3,2 Millionen Euro überproportional betroffen, betonte der Intendant. "Dies können wir wir bei allen Anstrengungen nicht leisten", sagte Jonas. Von dem Gesamtetat von knapp 80 Millionen Euro seien für 2004 nur neun Millionen Euro noch nicht vertraglich gebunden. In Wahrheit liege die verfügbare Masse aber weit unter dieser Summe. "Könnten wir diese Summe einsparen, hätten wir in der Vergangenheit schlecht gewirtschaftet."

Platzausnutzung von über 90 Prozent

"Wir wollen versuchen, in diesem Jahr nochmals 1,5 Millionen Euro einzusparen - mehr geht nicht", sagte Jonas. Woher solle das Geld auch kommen, fügte er hinzu. "Wir spielen fast an jedem Abend und das bei einer Platzausnutzung von über 90 Prozent", zählte Jonas die Tugenden der Compagnie auf. Natürlich könne man Spielzeiten kürzen und Stellen zum Beispiel beim Chor und beim Orchester streichen. Doch dies sei Sache des zuständigen Ministers. In jedem Falle würde die Ausstrahlung des weltweit geachteten Münchner Nationaltheaters leiden.

Defizit von 1,7 Millionen Euro so gut wie unausweichbar

Dass am Ende des Jahres 2004 unterm Strich ein Defizit von 1,7 Millionen Euro bleibt, scheint laut Jonas so gut wie sicher. "Niemand kann sagen, wir haben nicht gewarnt", sagte Jonas, der das "Schiff Bayerische Staatsoper" zum Ende der Saison 2006 verlassen wird. Aber wenn sein Vorstoß laut Kunstminister Thomas Goppel (CSU) zur Unzeit komme, "dann fasse ich das nur als Kompliment auf". Doch wie das Spardiktat auch ausgehe, auf die Münchner Opernfestspiele müsse niemand verzichten - "alles andere nur über meine Leiche". (APA/dpa)

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