Primaten tauschten Geruch gegen Farbsehen

26. Jänner 2004, 20:32
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Forscher rekonstruierten maßgeblichen evolutionären Schritt - Primaten der Alten Welt denen der Neuen sichtlich überlegen

Leipzig - Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts und des Weizmann Instituts haben einen wesentlichen Schritt in der Evolution entdeckt: Die Ausprägung einer speziellen Sinnesleistung hat dazu geführt, dass eine andere abnimmt. Bei Untersuchungen an Primaten konnten die Forscher feststellen, dass die Einschränkung des Geruchssinns dazu führte, dass sich der Sehsinn wesentlich verbesserte, berichten die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie.

Generell ist das Farbsehen bei Säugetieren aufgrund ihrer Abstammung von dämmerungsaktiven Vorfahren eher unterentwickelt - Primaten bilden die wichtigste Ausnahme.

"Pseudogene"

Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass olfaktorische Rezeptor-(OR) Gene, die so zu sagen die molekulare Basis für den Geruchsinn bilden, im Verlauf der Evolution deutlich zurückgegangen sind. Dafür hat sich eine Verbesserung des Sehsinns, insbesondere das Sehen in Farbe, ergeben.

Menschen, nichtmenschliche Primaten und Mäuse haben in etwa dieselbe Zahl an OR-Genen. Beim Menschen sind allerdings 60 Prozent dieser ohne Funktion, das heißt sie sind so genannte Pseudogene. Bei anderen Primaten liegt die Zahl der Pseudogene bei 30 Prozent. Im Vergleich dazu haben Mäuse nur 20 Prozent dieser OR-Pseudogene.

Prioritäten

Im Vertrauen auf das Funktionieren der Sinnesorgane, die zum Überleben in der Wildnis wichtig sind, haben die Tiere den Verlust des Riechens mit besserem Sehen oder Hören ausgeglichen. Forschungsleiter Yoav Gilad hat in der Untersuchung festzustellen versucht, ob die große Proportion an Pseudogenen ein Charakteristikum von Primaten ist. Die Vergleiche von 19 verschiedenen Primatenspezies und dem Menschen hat ergeben, dass "Affen der alten Welt" (Affen aus jenen Kontinenten, die schon im Altertum bekannt waren) einen viel höheren Prozentsatz aufweisen als Affen der neuen Welt (Affen aus Nord-, Mittel- und Südamerika).

Die Ausnahme von der Regel

Dabei fiel eine Spezies aus der Reihe: der Brüllaffe, der in Südamerika beheimatet ist, wies mehr Ähnlichkeiten mit seinen weit entfernten Verwandten der Alten Welt auf.

Der Geruchsinn ist sowohl beim Brüllaffen als auch bei den Affen der alten Welt langsam geschwunden. "Interessanterweise haben die Affen der alten Welt und der Brüllaffe keine gemeinsamen Vorfahren. Aber sie teilen sich eine gemeinsame Eigenschaft: Beide können in Farbe sehen", berichtet der Experte. Das ist bezeichnend für die Affen der alten Welt: sie verfügen über drei retinale Protein-Pigmente, die Opsins genannt werden, und absorbieren verschiedene Wellenlängen des Lichts, die im Gehirn zum Erkennen der Farben notwendig sind.

Im Vergleich dazu verfügen die meisten Affen der neuen Welt nur über zwei retinale Protein-Pigmente, wobei einige Weibchen auch drei besitzen. "Die Howler-Affen sind die einzigen Affen der Neuen Welt, die auch über drei retinale Protein-Pigmente verfügen", so Gilad. (pte/red)

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