Davos ist wieder abgeriegelt

23. Jänner 2004, 16:13
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Weltwirtschaftsforum tagt zu "Sicherheit und Wohlstand"

Davos – Seit Tagen gilt in Davos im Kanton Graubünden die höchste Sicherheitsstufe. 4700 Polizisten und Soldaten sind im Einsatz, hinzu kommen zivile Sicherheitskräfte. Der Luftraum über der Stadt ist geschlossen; Abfangjäger stehen bereit. Der aufwändige Schutz gilt den 2100 Teilnehmer am 34. Weltwirtschaftsforum, die in Davos unter dem Titel "Partnerschaft für Sicherheit und Wohlstand" tagen. Eine ersten Feuerprobe haben die Sicherheitskräfte bereits überstanden: Am Dienstag haben sie eine verdächtige schwarze Umhängetasche unbekannten Inhalts gesprengt.

Eliten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft finden sich in dem mondänen Schweizer Schiort zu ihrem jährlichen Stelldichein zusammen. Nur einmal, im Jahr 2002, fand die Davoser Tagung in New York statt, um Solidarität mit der Stadt nach dem Terroranschlag des 11. September 2001 zu demonstrieren.

Nur 534 Teilnehmer aus Entwicklungsländern

UN-Generalsekretär Kofi Annan, der amtierende EU-Ratspräsident Bertie Ahern, US-Justizminister John Ashcroft lauten nur einige Namen der erwarteten Teilnehmer – insgesamt habe sich mehr als 30 Staats- und Regierungschefs angekündigt, dsazu Minister, religiöse Führer und Vertreter von etwa 50 Nichtregierungsorganisationen (NGO).

Genau abgezählt wurden die Teilnehmer aus Entwicklungsländern: 534. Doch rund die Hälfte der Teilnehmer sind Spitzenvertreter der globalisierten Wirtschaft. In mehr als 250 Sitzungen, Seminaren und Workshops zu sieben Hauptthemen wie "Abbau von Ungerechtigkeit" oder "Nutzung der Vielfalt von Werten" wird gearbeitet und diskutiert. Bisherige Ergebnisse der Konferenz waren vage Initiativen wie die Globale Gesundheitsinitiative.

Auch heuer hat man sich wieder hohe Ziele gesteckt. So meint Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum: "Das ist die Davoser Gleichung: Sicherheit plus Wohlstand ergibt Frieden." Dennoch wird das Weltwirtschaftsforum jedes Jahr wieder zum Politikum und hat inzwischen – wie der Wiener Opernball seine Demo – eine ebenfalls institutionalisierte Gegenveranstaltung gezeugt, das Weltsozialforum (siehe nebenstehender Bericht). Aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren konnten sich die Globalisierungskritiker allerdings heuer auf kein einheitliches Vorgehen einigen.

Das Eigentliche spielt sich in Davos jedoch hinter den Kulissen ab – das globalisierte Netzwerken der Teilnehmer. Erhofft wird heuer, dass bei informellen Gesprächen die Verhandlungen zwischen EU und Polen über die EU-Verfassung wieder in Gang kommen. Unter dem Aspekt der globalen Sicherheit werden Themen wie der Iraker Wiederaufbau, die Entwicklung des transatlantischen Verhältnis und weitere Schritte im Nahostkonflikt sein. (denk/DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2004)

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