Kartnig kritisiert Sport-Staatssekretär

27. Jänner 2004, 11:34
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"Vom Spitzensport absolut keine Ahnung" - Schweitzer bleibt gelassen

Graz - Hannes Kartnig, Präsident des österreichischen Fußball-Bundesligisten Sturm Graz, hat am Dienstag schwere Geschütze gegen Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer aufgefahren. "Unser Herr Staatssekretär hat vom Spitzensport absolut keine Ahnung", polterte Kartnig in einer offiziellen Presseaussendung. Der Sturm-Boss nahm Bezug auf den "Sieben-Punkte-Appell" des FPÖ-Politikers hinsichtlich der EM 2008 vom vergangenen Freitag, in dem Schweitzer unter anderem gefordert hatte, "dass die Funktionäre für den Sport da sind und nicht der Sport für sie da ist bzw. die Bundesliga und deren Vereine müssen sich den Zielen des Nationalteams unterordnen."

Diese Aussagen wurden von Kartnig heftig kritisiert. "Die Funktionäre der Bundesliga-Vereine sind ausschließlich für den Sport da. Wo wäre der Fußball heute, wenn es nicht Leute wie Frank Stronach oder Rudi Quehenberger usw. gäbe", meinte der Sturm-Boss und ging mit Schweitzer hart ins Gericht. "Wenn Schweitzer vom Bewusstsein für den Sport redet, dann sollte er bei sich selbst anfangen. Seit Jahren fordern wir ein Berufssportgesetz. Erst mit der Initiative von Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler ist da Bewegung in die Sache gekommen."

"Ohne Vereinsfußball kein Nationalteam"

Von Schweitzers Einschätzung des Stellenwerts der ÖFB-Auswahl hält Kartnig nicht allzu viel. "So positiv die EM 2008 in Österreich und der Schweiz auch ist, ohne Vereinsfußball gibt es kein Nationalteam. Wir Vereine tragen die Kosten beziehungsweise das Verletzungsrisiko für die Profis und haben von den Einnahmen des ÖFB sehr, sehr wenig", meinte Kartnig.

Auch bezüglich Jugendarbeit ist Kartnig mit dem Sport-Staatssekretär nicht einer Meinung. "Wenn Schweitzer von einer Chance für den Nachwuchs spricht merkt man, dass er offensichtlich nicht viel Zeit in den Stadien verbringt oder nicht richtig hinsieht. Alle Vereine sind bemüht, jungen Spielern eine Chance zu geben. Zudem vergisst der Staatssekretär, dass wir uns an geltendes EU-Recht halten müssen. EU-Ausländern ist die Beschäftigung zu ermöglichen."

Keine finanzielle Unterstützung des Bundes

Weiters fordert Kartnig, dass der Bund den Vereinen im Zusammenhang mit der Ausbildung von Jung-Kickern wirtschaftlich unter die Arme greift. "Hinsichtlich der finanziellen Unterstützung der Akademien hat der Staatssekretär bis jetzt nichts zusammengebracht. Vom Bund gibt es kein Geld für den Akademie-Betrieb, lediglich das Land Steiermark hat uns da geholfen. In den Akademien werden heute die Spieler für 2008 ausgebildet."

Auch zum Abschluss der Aussendung hagelte es heftige Kritik an Schweitzer. "Statt Appelle zu formulieren sollte Schweitzer lieber konkrete Konzepte mit den Vereinen entwickeln", sagte "Zar Hannes" und legte noch einen Gang zu. "Und Schweitzer scheint auch das neue Vereinsgesetz nicht zu kennen. Wir Spitzenfunktionäre müssen mit dem Privatvermögen haften. Ich glaube nicht, dass Herr Schweitzer schon jemals mit einem Euro irgendwo bei einem Profiverein persönlich gehaftet hat. Mein Appell an ihn lautet: Orientieren Sie sich an den Leistungen Ihrer Vorgängerin Riess-Passer. Die hat in kurzer Zeit mehr bewegt. Fast scheint es so, dass der Sport-Staatssekretär mehr vom Sackhüpfen als vom Profisport versteht", so Kartnig.

Schweizer bleibt gelassen

Schweitzer reagierte gelassen auf die Äußerungen von Kartnig. "Ich habe in Graz das Studium der Sportwissenschaften abgeschlossen und unter anderem die A-Fußball-Trainer-Lizenz erworben", meinte der Staatssekretär gegenüber der APA augenzwinkernd zum Vorwurf, er habe "vom Spitzensport absolut keine Ahnung".

Weiters betonte Schweitzer, dass der Bund die österreichischen Bundesligisten sehr wohl finanziell unterstütze. "38 Prozent der gesamten Sportförderung des Bundes gehen in den Fußball. Hinzu kommen noch öffentliche Gelder, die über die Dachverbände in den Fußball fließen, sowie die Erhaltung und der Ausbau der Infrastruktur", meinte Schweizer, der zudem ankündigte, dass dem ÖFB im Rahmen der "Challenge 2008" bald zusätzliche Gelder bereitgestellt werden.

Die Auffassung Kartnigs, wonach im Fall des Berufssportgesetzes erst durch Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler "Bewegung in die Sache" gekommen sei, sei falsch: "Das Berufssportgesetz wurde von uns initiiert, das hat nichts mit Westenthaler zu tun." (APA)

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