Kündigungsreigen bei Suhrkamp geht weiter

25. Jänner 2004, 18:32
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Lektor Thorsten Ahrend geht aus "persönlichen Gründen" - Nach Übernahme durch Unseld-Witwe ging Geschäftsführer und Stiftungsrat trat zurück

Frankfurt/Main - Nach der Übernahme des Suhrkamp Verlags durch Ulla Unseld-Berkéwicz muss das renommierte Haus erneut die Kündigung eines wichtigen Mitarbeiters verkraften. Der für neue deutsche Literatur zuständige Lektor Thorsten Ahrend hat zum 1. Juli aus "persönlichen Gründen" gekündigt, wie Ahrend am Dienstag in Frankfurt bestätigte.

Keine Angaben zum verlagsinternen Machtkampf

Zu Spekulationen der "Süddeutschen Zeitung", sein Ausscheiden sei Folge des verlagsinternen Machtkampfs, wollte er nichts sagen. Ahrend betreut seit 1998 bei Suhrkamp bekannte Verlagsautoren wie Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger und Peter Handke. Er ist auch für jüngere erfolgreiche Suhrkamp-Literaten wie Durs Grünbein, Andreas Maier und Norbert Gstrein zuständig.

Unseld-Berkéwicz übernahm vergangenen Oktober die Geschäfte

Bei Suhrkamp hatte im vergangenen Oktober Unseld-Berkéwicz, die Witwe von Verleger Siegfried Unseld, den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen. Daraufhin verließ Verlagsgeschäftsführer Günter Berg das Haus. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Dienstag, Ahrend habe Berg nahe gestanden. Zudem trat der mit prominenten Autoren besetzte Suhrkamp-Stiftungsrat - dazu gehört auch Enzensberger - zurück.

Ahrend wurde nicht hinausgedrängt

"Thorsten Ahrend ist auf keinen Fall aus dem Verlag gedrängt worden," wies Suhrkamp-Sprecherin Heide Grasnick anderslautende Vermutungen entschieden zurück. Nach Angaben des Verlags gibt es für Ahrend noch keinen Nachfolger.

Enzensberger sagte am Dienstag zur Entwicklung bei Suhrkamp: "Ich warte erst einmal ab, was nun im Verlag weiter passiert." Ahrend sei ein Lektor von mehreren für ihn gewesen. "Wir hatten nicht so ein enges Verhältnis, dass man daraus jetzt Konsequenzen ziehen müsste." (red/APA/dpa)

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    Im April 2003 hatte die 'edition suhrkamp', die ihren Lesern als Bildungsgrundlage gilt, 40-jähriges Jubiläum.

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