Berlinale: Ehrenbär für Argentinier Solanas

22. Jänner 2004, 11:04
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Regisseur bringe seit mehr als 30 Jahren politische und soziale Realität seiner Heimat ins Kino - Kinderfilmfest "14plus" startet am 6. Februar

Berlin - Der argentinische Filmemacher Fernando Solanas ("El Sur") wird für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Ehrenbären der Internationalen Filmfestspiele Berlin geehrt. "Wir freuen uns, diesen großartigen und mutigen Regisseur mit einem Goldenen Ehrenbären auszuzeichnen", sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick am Dienstag. Seit mehr als 30 Jahren betrachte Solanas sein Heimatland Argentinien, dessen politische und soziale Realität, mit den Mitteln des Kinos. Solanas erhält den Ehrenbären am 10. Februar.

Schon Debüt war Klassiker des politischen Dokumentarfilm

Bereits mit seinem Spielfilmdebüt "La Hora de los hornos" (Die Stunde der Hochöfen) von 1967 schuf er einen Klassiker des politischen Dokumentarfilms. Die Repressionen während der Militärdiktatur in Argentinien zwangen den Regisseur Mitte der 70er Jahre ins Exil nach Paris. In dieser Zeit entstand unter anderem "Le Regard des autres" (Der Blick der anderen). Mitte der 80er Jahre kehrte Solanas nach Argentinien zurück und setzte mit den Filmen "El Sur" (Der Süden), "El Viaje" (Die Reise, 1992) und "La Nube" (Die Wolke) seine Auseinandersetzung mit Argentinien und Lateinamerika fort.

Solanas: Beitrag zur Diskussion über "menschenunwürdige Globalisierung"

Im Rahmen der Hommage wird sein Dokumentarfilm "Memoria del saqueo" (Geschichte einer Plünderung) gezeigt. Der Film arbeitet mit Interviews und Archivmaterial, um Themen wie Korruption und Verschwendung öffentlicher Gelder zu thematisieren. "Mein Film", so Solanas, "soll als lebendiges Bild einen Beitrag zur dringend notwendigen Diskussion leisten, die in meinem Land, in Lateinamerika und in der ganzen Welt über die menschenunwürdige Globalisierung stattfindet. Gleichzeitig soll er aufzeigen, dass eine andere Welt möglich ist."

Neue Reihe "Filme für die junge Generation" wird von Dominique Horwitz eröffnet

Der Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz eröffnet am 6. Februar das 27. Kinderfilmfest der Berlinale. Gezeigt werden 20 Spielfilme und 19 Kurzfilmproduktionen aus 24 Ländern, teilte das Festival am Dienstag mit. Neu ist die Reihe "14plus - Filme für die junge Generation" für Jugendliche ab 14 Jahren.

Eröffnungsfilm: "Die wundersame Welt des David Wiseman"

Zum Auftakt wird der britische Film "Die wundersame Welt des David Wiseman" in Anwesenheit des Regisseurs Paul Morrison und der jungen Hauptdarsteller Sam Smith und Leonie Elliott gezeigt. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Die Blindgänger" ist das Spielfilmdebüt von Bernd Sahling, der schon in seinem bisherigen dokumentarischen Werk die Welt von Blinden und Sehbehinderten in den Mittelpunkt rückte. Darin spielt Horwitz die Rolle eines Hauslehrers.

Mit den Stimmen von Michel Piccoli und Annie Girardot stellt der französische Spielfilm "Die Prophezeiung der Frösche" von Jacques-Rémy Girerd eine Neuinterpretation der biblischen Sintflut vor. Nahe der Grenze zu Pakistan spielt der indische Film "Das blinde Kamel" von Vinod Ganatra. Der Film betrachtet den aktuellen politischen Konflikt zwischen beiden Ländern aus Kindersicht. (APA/dpa)

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    Fernando E.Solanas: El viaje, Argentinien 1992

  • Bei plus14 im Programm: Anders Gustafson: Bagland, Dänemark 2003
    foto: berlinale

    Bei plus14 im Programm:
    Anders Gustafson: Bagland, Dänemark 2003

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